Frauenbund

Katholikinnen gründen neuen Zweigverein

Mechthild Driessen (rechts) freut sich gemeinsam mit den drei frisch gekürten Vorsitzenden Gabi Haas (2.v.re.), Lucia Rothwein (3.v.re.) und Maria Haller-Kindler (4.v.re.) sowie den zehn Beisitzerinnen über die Neugründung des Frauenbunds in Fellbach.

Mechthild Driessen (rechts) freut sich gemeinsam mit den drei frisch gekürten Vorsitzenden Gabi Haas (2.v.re.), Lucia Rothwein (3.v.re.) und Maria Haller-Kindler (4.v.re.) sowie den zehn Beisitzerinnen über die Neugründung des Frauenbunds in Fellbach.

38 Frauen schaffen nahezu ein Novum: Sie gründen den mitgliederstärksten Zweigverein des Frauenbunds in der Diözese seit fast 30 Jahren.

Während die Katholische Kirche und viele Verbände an Mitgliedern verlieren, hat sich im Rems-Murr-Kreis in unmittelbarer Nachbarschaft zur Landeshauptstadt Stuttgart diese neu Gruppierung von Frauen zusammengefunden. Ihnen gemein ist, dass sie ihre Unzufriedenheit mit der Kirche in Aktivität umwandeln möchten und nun „einfach machen und etwas bewegen wollen“, wie es Maria Haller-Kindler ausdrückt.

Sie zählt mit Gabi Haas und Lucia Rothwein zu den drei Initiatorinnen von Fellbach 2.0, wie sich der Zweigverein des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) nennt. Haller-Kindler erzählt, dass sie mit den Machtstrukturen in der Kirche gehadert und es ihr an spirituellem Erleben vor Ort gemangelt hat. „Wir fühlen uns mit der Kirche verbunden, sind tief in ihr verwurzelt, aber wir möchten kein weiter so – ebenso wie die Frauen von Maria 2.0“, erläutert Haller-Kindler. „Ich habe schnell festgestellt, dass ich mit meinen Erlebnissen und Erfahrungen nicht alleine bin.“ Einige der Frauen hätten sich auch die Frage gestellt, ob sie nicht lieber aus der Kirche austreten wollen. Allerdings betont Haas: „Das Gebot der Stunde ist, in der Kirche auf- und nicht auszutreten.“

Frauen wollen Beitrag zum spirituellen Erleben leisten

Der Anschluss an den Verbund ist ihnen wichtig. „Mit dem KDFB im Rücken haben wir Verbindungen auf Diözesan- und Bundesebene. Wir können gemeinsam etwas bewegen und sind an den Informationsfluss angeschlossen. Zudem erhalten wir Unterstützung“, sagt Mitinitiatorin Rothwein. Selbstbewusst wollen die Frauen nun den Neustart ihres Zweigvereins angehen, sich kirchen- und gesellschaftspolitisch engagieren und sich dem Thema Spiritualität und Gottesdienst widmen. Alle drei Initiatorinnen, Haller-Kindler, Haas und Rothwein, wurden zu Vorsitzenden gewählt. Weitere zehn Beisitzerinnen haben sich aufstellen lassen und das Votum der Mitglieder erhalten. Sie werden sich nun gemeinsam mit den Vorsitzenden überlegen, wie sie ihren Frauenbund Fellbach 2.0 konkret ausgestalten.

Maria 2.0 sorgt für Aufbruchstimmung

Mechthild Driessen, Geschäftsführerin des KDFB der Diözese Rottenburg-Stuttgart, freut sich über die Aufbruchstimmung, die sie in Fellbach und in der ganzen Diözese spürt: „Mit ihrer Entscheidung, eine Frauenbundsgruppe zu gründen, haben sie nicht nur im Großraum Stuttgart, sondern im gesamten Verband für große Aufmerksamkeit und Glücksgefühle gesorgt. Abgesehen von einer kleinen Neugründung in Ulm vor knapp zwei Jahren gab es seit 28 Jahren keinen neuen Zweigverein mehr.“ So eine Begeisterung habe der Frauenbund lange nicht mehr erlebt. Seit Sommer vergangenen Jahres habe er rund 100 neue Mitglieder gewonnen. „Und heute sind es gleich 38 auf einmal“, zeigt sich Driessen begeistert. Auch in Hohenlohe überlege eine Gruppe von Frauen, in Kürze einen neuen Zweigverein zu gründen.

Vor allem über die Vernetzung der Initiativen rund um Maria 2.0 hätten Frauen den KDFB für sich entdeckt. „Seit Maria 2.0 scheint plötzlich alles möglich. Viele Pfarrer vor Ort zeigen sich solidarisch mit dem Frauenbund. Wir stoßen mit unseren Anliegen auf keine Wand der Ablehnung, sondern diese werden von vielen Haupt- und Ehrenamtlichen gemeinsam getragen“, so Driessen weiter. Dem neuen Zweigverein Fellbach 2.0 gab sie gute und vor allem selbstbewusste Wünsche mit auf den Weg: „Ich wünsche Ihnen allen ein gutes Miteinander in der Gemeinschaft ihrer Gruppe und viel Freude am Gestalten und Mitbestimmen. Das Netzwerk des Frauenbundes mit Orts-, Diözesan- und Bundesebene wird sie dabei nach Kräften unterstützen.“

Fellbach 2.0 steht für den Neuanfang

Vor der Gründungsversammlung hatte eine Wortgottesfeier in der Dreifaltigkeitskirche Schmiden zum Fest der Darstellung des Herrn stattgefunden. „Der Termin ist von uns ganz bewusst gewählt. Passt er doch zu unserem Neuanfang“, erläutert Mitinitiatorin Haller-Kindler. Im Anschluss ging es in das Maximilian-Kolbe-Haus in Fellbach-Schmiden. Dort trugen sich insgesamt 38 Frauen jeden Alters direkt in die Gründungsliste des Zweivereins Fellbach 2.0 ein. Mit großem Enthusiasmus und einem gemeinsamen Gebet starteten die Frauen in die Zukunft ihrer neuen Gemeinschaft.

Der KDFB - Hintergrund

Vor zwei Jahren hat der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) der Diözese Rottenburg-Stuttgart seinen 100. Geburtstag gefeiert. Rund 7.500 Frauen in nunmehr 124 Zweigvereinen gehören dem KDFB hierzulande an, bundesweit sind es 180.000 Mitglieder. Damit zählt der KDFB zu einem der größten Frauenverbänden in Deutschland.

Seit seiner Gründung setzt sich der KDFB für eine eigenverantwortliche und zeitgemäße Mitgestaltung von Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft, in Kirche und Staat, in Familie und Beruf ein. Er bietet spezielle Bildungsveranstaltungen für Frauen, macht auf den unterschiedlichsten Ebenen Lobbyarbeit und setzt auf spirituelle Angebot.

Der KDFB der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt die Aktion Maria 2.0, die sich für eine geschlechtergerechte Kirche einsetzt.

Weitere Informationen finden sich unter www.kdfb-drs.de.