Initiative

„Meet a Jew"

Austauch während der Dekanatskonferenz: David Holinstat berichtet über die Situation für Mitbürger jüdischen Glaubens im Land.

Eine nicht ganz alltägliche Dekanatskonferenz erlebten die 20 Teilnehmerinnen vor kurzem bei der Zusammenkunft in Eutingen-Rohrdorf:  Im Rahmen des Programms „Meet a Jew“ sprachen die Pfarrer und pastoralen Mitarbeiter mit David Holinstat aus dem Landkreis Böblingen. Er machte deutlich, dass sich die Situation für Mitbürger jüdischen Glaubens in den letzten Jahren in Deutschland und auch in Baden-Württemberg deutlich verschlechtert habe.

Der gebürtige Amerikaner, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, sagt: „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass der Antisemitissmus in Deutschland wieder so zunehmen würde.“ Juden würden auch aktuell wieder für Probleme in der Welt verantwortlich gemacht. In Baden-Württemberg leben rund 3000 Juden. Die allermeisten davon in Stuttgart und Ulm. Wer in keiner der beiden Städte wohnt hat eine Chance gegen null, einen jüdischen Nachbarn zu haben. Umso wichtiger seien, so Holinstat, Begegnungen wie im Rahmen von meet a jew. Er selber zählt sich zu den liberalen Juden und singt in einem evangelischen Kirchenchor mit. In Fernsehproduktionen, so Holinstat, seiden wegen der besseren Erkennbarkeit immer orthodoxe Juden zu sehen, deren Zahl in Baden-Württemberg er als sehr gering einschätzt.

Die Teilnehmer der Dekanatskonferenz zeigten sich sehr dankbar für den offenen und ehrlichen Austausch. Am Ende verwies David Holinstat noch auf das Haus Abraham in Stuttgart. In diesem interreligiösen Projekt begegnen sich Juden, Christen und Muslime – eben Mitglieder der drei abrahamitischen Religionen, die sich auf den Stammvater Abraham und seine Familie berufen. Die Idee des Hauses wird von Menschen getragen, die sich dem Gedanken des friedlichem Miteinanderse der Religionen und der Toleranz verbunden fühlen.

Der kommissarische Dekan Armin Noppenberger und Dekanatsreferent Achim Wicker waren sich am Ende einig, dass dies sicher nicht die letzte Veranstaltung mit „Meet a Jew“ im Dekanat gewesen sei. „Meet a Jew“ wird deutschlandweit angeboten. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“