Wallfahrt

Mit Abstand, aber mit Liebe

An mehreren Stationen der Sternwallfahrt wie diesem Feldkreuz gab Pfarrer Prof. Sven van Meegen kurze Impulse zu wichtigen Fragen der Zeit und segnete die Pilgerinnen und Pilger. Foto: DRS/Jerabek

Mit einer Sternwallfahrt hat die Seelsorgeeinheit Lone-Brenz das Fest Christi Himmelfahrt gefeiert – stellvertretend für die ganze Region.

Der Impuls, innezuhalten und sich bewusst zu machen, was wirklich zählt, stand im Mittelpunkt der traditionellen Sternwallfahrt aus allen Kirchengemeinden und Teilorten der Seelsorgeeinheit im Süden des Dekanats Heidenheim zur Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Stetten o.L. Wegen der corona-bedingten Vorkehrungen machte sich nur eine begrenzte Anzahl von Gläubigen in Bissingen, Niederstotzingen und Oberstotzingen auf den Weg, um die Himmelfahrt Jesu Christi zu feiern und den Menschen den Segen Gottes zu bringen. Pfarrer Sven van Meegen legte den Pilgerinnen und Pilgern deshalb „alle, die nicht mitgehen dürfen oder können, vor allem alte und kranke Menschen“ besonders ans Herz.

Auf dem etwa drei Kilometer langen Pilgerweg gestalteten Pfarrer van Meegen, Pfarrvikar Rajesh Jose George und ein Team von Ehrenamtlichen an fünf Stationen kurze Andachten. In Lesungen aus der Apostelgeschichte und den Evangelien und in kleinen Impuls-Gedanken nahmen die Wallfahrer wichtige Anliegen und Themen der Zeit in den Blick. Wie immer stand die Wallfahrt auch in der Tradition der Flurprozessionen und Bittgänge, bei der die Menschen um eine gute Ernte beten und der Segen Gottes für die Landwirtschaft erbitten.

Für die Schöpfung verantwortlich

So erinnerte Pfarrer van Meegen an einer der Stationen an die Trockenheit, die der Landwirtschaft derzeit schwer zu schaffen macht. Neben dem Gebet für die Schöpfung und für die Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, gelte es, auch eigenes Verhalten – etwa beim Einkauf – zu überdenken und zu ändern. „Die Schöpfung ist uns übergeben als Verantwortliche, nicht als Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagte der Dekan vor einem der Wegkreuze. „Wir müssen gut mit der Schöpfung umgehen, aber auch mit den Landwirten“, auf denen ein immer größerer Druck laste.

An einem schmucken Barockkreuz und der dort aufgestellten Ruhbank, die als „Liebesbänkle“ ein beliebtes Ziel von Liebespaaren ist, ermutigte Pfarrer van Meegen zur Liebe, die „das Erste, das Wichtigste“, letztlich die Grundlage des christlichen Lebens sei. Das gelte für die eigenen Beziehungen, die stets der Erneuerung und Festigung bedürfen, aber auch mit Blick auf Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft, die die Gesellschaft nicht nur in Zeiten von Corona dringend brauche. Doch auch in der persönlichen Beziehung zu Gott brauche es den „Mut, einen Neuanfang zu wagen und ihm dein Herz zu schenken“.

Überhaupt war die Ermutigung zur Liebe der rote Faden der Wallfahrt. Jesu Verheißung „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, die in eine Tafel am „Auferstehungskreuz“ eingraviert ist, schenke nicht nur Trost im Andenken an verstorbene geliebte Menschen, sondern soll bewusstmachen: Gott liebt dich, Gott lässt dich nicht im Stich. Das Kreuz, das im Schnittpunkt der Gemarkungen von Niederstotzingen, Oberstotzingen und Stetten steht, soll außerdem dazu beitragen, Menschen zusammenzuführen.

Da berühren sich Himmel und Erde

In seiner Predigt beim gemeinsamen Festgottesdienst äußerte sich Dekan van Meegen dankbar, nach wochenlangem Verzicht bzw. Gottesdiensten mit nur zwei, drei persönlich Anwesenden nun wieder in größerer Anzahl miteinander unterwegs sein zu können. Zwar gelte es weiterhin, Abstand zu halten, dabei andere Menschen aber trotzdem „unsere Liebe und Mitmenschlichkeit spüren zu lassen“. Dafür stehe auch das Fest Christi Himmelfahrt: Jesus Christus habe gezeigt, dass sich Himmel und Erde berühren, und zwar dann, wenn Liebe und Hilfsbereitschaft den Ton angeben, und nicht Missgunst und Hass.

Dankbar zeigte sich van Meegen auch dafür, dass Niederstotzingen und die umliegenden Dörfer als erste Stadt im Landkreis Heidenheim corona-frei seien. Große Anerkennung zollte der Dekan den Pilgerinnen und Pilgern, die alle in enger Abstimmung mit der Diözesanleitung und Niederstotzingens Bürgermeister Marcus Bremer getroffenen Corona-Schutzmaßnahmen – Abstandsregel, Maskenpflicht und Händedesinfektion – gewissenhaft umgesetzt und mitgetragen haben. Die Sternwallfahrt nach Stetten könne auch unter den aktuellen Bedingungen ein Vorbild für andere sein, sagte der Dekan.