Besuchsdienst

Ohne Vorurteile und mit viel Herz

Die Mitglieder des Besuchsdienstes: Barbara John, Hermann Engler, Helga Hecht, Gertraud Herforth, Hanne Keim, Ingrid Kruk, Jocelyne Minsch, Rieke Mitrenga, Susanne Reber, Thomas Reber, Anna Schneider-Bauhofer, Getrud Schweizer, Bruno Seiler (Vorstand), Bernadette Sortino, Rosi Zoll. Unterstützer aus dem ZfP Südwürttemberg: Martha Wahl, Andrea Fessler, Harald Nessensohn, Hans-Peter Elsässer-Gaißmaier.

Seit 15 Jahren besuchen Ehrenamtliche psychisch kranke Menschen auf den Stationen des ZfP Südwürttemberg oder im Heimbereich.

Wahrgenommen werden und dabei Fürsorge und Sympathie erfahren, ohne verurteilt zu werden. Für viele Psychiatrie-Patientinnen und Patienten ist das nicht selbstverständlich. „Die Patienten werden im ZfP von professioneller Seite sehr gut und einfühlsam begleitet, aber von ihrer Umwelt fühlen sich viele nicht recht verstanden und akzeptiert“, berichtet Barbara John, katholische Klinikseelsorgerin im ZfP Südwürttemberg in Bad Schussenried.
An dieser Stelle setzt das Engagement der 14 Ehrenamtlichen ein, die in ihrer Freizeit Patientinnen und Patienten besuchen. Ein paar von ihnen gehen regelmäßig auf eine Sucht- oder eine alterspsychiatrische Station und widmen ihre Zeit dort immer wieder anderen Patienten. Andere begleiten einzelne Heimbewohner über viele Jahre hinweg oder auch Patienten, die ambulant weiterbehandelt werden. Psychisch Kranke, die in der Klinik für Forensische Psychiatrie untergebracht sind, werden von sechs Besuchsdienstlern besucht.

Immer ein offenes Ohr

So unterschiedlich wie die Patienten, sind auch die Besuche: Manchmal geht es darum, zuzuhören oder in ein Gespräch zu kommen, und manchmal darum, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen und zum Beispiel spazieren oder ein Eis essen zu gehen. Doch eine Aufgabe ist allen Besuchsdienstlern gemeinsam: Einfach da zu sein. „Für die Patienten ist es eine besondere Wertschätzung, dass jemand, der eigentlich nicht kommen müsste, ein Ohr für sie hat und sich Zeit nimmt“, so John. Besonders heutzutage sei dies nicht selbstverständlich. „Die Patienten nehmen dieses ehrliche Interesse wahr und wissen: Jetzt bin ich wichtig.“

Den Besuchsdienst gibt es seit 15 Jahren. 2004 wurde dieser von den damaligen ZfP-Klinikseelsorgern Konrad Widmann und Ulrich Rost als ökumenisches Projekt ins Leben gerufen. Die Idee war, Begegnungen von Mensch zu Mensch und auch eine Verbindung zwischen Psychiatrie und Gesellschaft zu schaffen. Der Anti-Stigma-Gedanke ist heute noch ein wichtiger Aspekt. Denn die Besuchsdienstler geben in ihrem eigenen Umfeld ihre positiven Erfahrungen mit den Psychiatrie-Patienten weiter. „Sie sind Multiplikatoren nach draußen – und somit auch ein Stück Anwalt“, findet John. „Das ist unheimlich viel wert.“

Ehrliches Interesse gepaart mit Fachwissen

Der Umgang mit psychisch kranken Menschen erfordert aber nicht nur ehrliches Interesse, sondern auch Feingefühl und Wissen. Jedes Mitglied des Besuchsdienstes hat eine Basisausbildung in Gesprächsführung absolviert. Zudem treffen sie sich sechsmal im Jahr zur Fortbildung und zum Austausch unter der Leitung von John. Hier kann jeder von seinen Besuchen und Erfahrungen berichten und Fragen stellen.

An den Fortbildungsabenden referieren Expertinnen und Experten, die im ZfP tätig sind oder waren. Die Themen sind vielfältig: Von psychiatrischen Krankheitsbildern und ihren Therapiemöglichkeiten über Trauerbegleitung bis hin zu Spiritualität. Aber auch über die Aufgaben der ZfP-Mitarbeitenden. Die Klinikseelsorgerin erklärt: „Fachwissen ist genauso wichtig wie der Kontakt und das gegenseitige Verständnis zwischen den Ehrenamtlichen und dem Personal.“
Drei ZfP-Mitarbeitende begleiten die Gruppe bereits seit vielen Jahren fachlich: Ärztin Martha Wahl, Schulleiterin Andrea Fessler und der pflegerische Leiter der forensischen Klinik, Harald Nessensohn. „Wie profitieren sehr von ihrer Expertise“, so John. Auch Pflegedirektor Hans-Peter Elsässer-Gaißmaier unterstützte im Namen der Klinikleitung des ZfP in Bad Schussenried von Anfang an. Das Unternehmen finanziert das Catering bei den Fortbildungsabenden, Fahrtkosten und ein jährliches Abendessen.

Wertschätzung zum Jubiläum

Zu ebendiesem Essen trafen sich die Mitglieder nun im Klosterhof in Bad Schussenried. Dort feierten sie ihr 15-jähriges Jubiläum. Barbara John, Hermann Engler, Besuchsdienstler der ersten Stunde, und Vorstand Bruno Seiler ließen die Ehrenamtlichen an ihren anrührenden Erinnerungen und lustigen Anekdoten teilhaben. Auch Harald Nessensohn sprach anerkennende Worte für die Arbeit des Besuchsdienstes aus. Er freue sich insbesondere über den Patiententreff Kurzweil, ein Projekt, das 2017 ins Leben gerufen wurde. Fünf Ehrenamtliche und fünf Fachkräfte der forensischen Klinik organisieren in den kalten Herbst- und Wintermonaten ein buntes Programm von Adventsbasteln bis hin zu Tanzabenden, an dem alle Patientinnen und Patienten des ZfP teilnehmen können. „Der Patiententreff ist ein starker Arm des Besuchsdienstes und nochmal ein ganz anderer Ansatz“, freut sich auch John. „Bei den Patienten kommt das gut an.“

Als Anerkennung hatte auch das ZfP Südwürttemberg eine Überraschung für die Besuchsdienstler. Sie dürfen im kommenden Jahr einen Ausflug machen, zu einem Ziel ihrer Wahl, finanziert vom ZfP. Nach der Jubiläumsfeier resümierte die Seelsorgerin: „Es war einfach wohltuend, in dieser Atmosphäre gemeinsam ganz zweckfrei zu plaudern, lecker zu essen und zu erleben, was für ein schöner Zusammenhalt in unserer Gruppe herrscht.“

Positive Resonanz

Die 14 Ehrenamtlichen der Klinikseelsorge arbeiten unentgeltlich. Einige von ihnen sind berufstätig, andere bereits im Ruhestand. Alle Altersgruppen von 30 bis 80 Jahren sind vertreten. John ist stolz auf ihre Gruppe: „Ich finde es beeindruckend, dass sie sich die Zeit nehmen, obwohl sie berufstätig sind oder viele andere private und ehrenamtliche Verpflichtungen haben.“ Doch auch die Gruppe profitiert von den Besuchen. „Die meisten bleiben jahrelang dabei, weil sie viel Resonanz und positive Rückmeldungen von den Patienten bekommen.“ Es mache unglaublich Freude und Sinn, zu sehen und zu erleben, dass der eigene Besuch jemandem gut tut.