Dekanat Böblingen

Stellungnahme zum Segnungsverbot homosexueller Paare

Der Dekanatsrat tritt dafür ein, dass Segnungen von homosexuellen Paaren keinem grundsätzlichen Verbot unterliegen.

Aus aktuellem Anlass hat der Dekanatsrat des Dekanats Böblingen das Thema „Segnungsverbot homosexueller Paare“ auf die Tagesordnung gebracht. Ein Thema, das die Rätinnen und Räte sehr beschäftigte, so dass die veranschlagte Zeit bei weitem nicht reichte.

Durchaus gab es auch kontroverse Meinungen. So wurde vorgebracht, dass das Thema viel zu komplex sei, um so rasch mit einer Stellungnahme abgeschlossen zu werden. Außerdem gab es die Sorge, dass der deutsche Widerspruch zur römischen Lehrmeinung weltkirchlich sich nicht decken lasse, das katholische Eheverständnis beschädige und dadurch die Gefahr einer Kirchenspaltung wachse.

Dem stand mehrheitlich die Auffassung gegenüber, dass auf die Verlautbarung der Glaubenskongregation zum Thema „Segnungen“ nun rasch reagiert werden müsse und es in erster Linie darum ginge, diesen Kommunikationsstil „im Volk Gottes“ scharf zurückzuweisen. Das war auch das Hauptargument, das Dekan Anton Feil vorbrachte, als er werbend diese Stellungnahme verteidigte: Wenn man den Gläubigen, dem Volk Gottes, Subjektcharakter zubillige, könne man nicht „von oben“ in solch wichtigen Fragen einfach Verbote erteilen. Aus dem Gremium, das 29 stimmberechtigte Delegierte – vor allem Ehrenamtliche – aus den Seelsorgeeinheiten des Landkreises Böblingen umfasst, hörte man vor allem die klare Feststellung: „uns steht es nicht zu, Segen zu verweigern“.

So wurde schließlich die Stellungnahme (s.u.) mit großer Mehrheit (24:3 Stimmen) verabschiedet. Und es war dann keine Überraschung, dass der Dekanatsrat gleich anschließend mit fast derselben Mehrheit einen weiteren Eilantrag stattgab, die erst kürzlich veröffentlichten Thesen der Initiative Maria 2.0 ebenso zu unterstützen (s.u.). Dort geht es – weiter gefasst – u.a. um gleiche Würde und Rechte für Frauen in der Kirche, um Glaubwürdigkeit und Transparenz im Umgang mit sexualisierter Gewalt, um Einsatz für eine gerechte Welt.

Einhellig war der Wunsch, die angerissenen Themen in einer weiteren Zusammenkunft ausführlicher zu diskutieren.

Stellungnahme des Dekanatsrats zur „Segnung homosexueller Paare“:

Der Dekanatsrat begrüßt die deutliche Stellungnahme des Diözesanrates und vertritt ebenso das klare "Nein, so nicht" zum innerkirchlichen und öffentlichkeitswirksamen "Kommunikationsstil".

Wir bejahen eine bunte, am Evangelium und der Praxis Jesu orientierte Kirche und möchten deutlich dafür eintreten, dass Segnungen von homosexuellen Paaren keinem grundsätzlichen Verbot unterliegen dürfen.

Wir halten in unserer Kirche eine Kommunikation dazu für entscheidend wichtig. Keiner - auch Rom nicht - sollte das nachdenkliche Gespräch verweigern. Und immer muss es um Seelsorge für die Menschen und ihren Zugang zum Evangelium gehen.

Stellungnahme des Dekanatsrats zu den Thesen von Maria 2.0:

Der Dekanatsrat sieht auch in der Zurückweisung der sieben Thesen von Maria 2.0 eine Dialogverweigerung und lehnt diese Behandlung der Anliegen aus dem Volk Gottes autoritär-einseitig von oben nach unten ausdrücklich ab.

Die katholische Kirche wird nicht einseitig durch die Glaubenskongregation repräsentiert, sondern ebenso durch "die Laien", verstanden als Volk Gottes ("laos tou theou"), das etwa zur Hälfte aus Frauen besteht.