Umwelt

Sympathie für „Fridays for Future“-Demonstrationen

Dem Artenschutz dienen zwei neue Bienenstöcke vor dem Bischofshaus in Rottenburg, die Schüler des St. Meinrad-Gymnasiums in Rottenburg bemalt hatten und in denen nun bischöflicher Honig hergestellt wird.

In einem Brief an seine Mitarbeiter bittet Bischof Fürst darum, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Lesen Sie hier das ganze Schreiben:

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden, Organisationen, Einrichtungen und Diensten unserer Diözese,

aus Anlass der „Fridays for Future“-Demonstrationen am kommenden Freitag möchte ich meine Sympathie für die Bewegung der Jugendlichen zum Ausdruck bringen und Sie um die Mitwirkung an einer schöpfungsfreundlichen Kirche bitten.

Ausgehend von der Initiative „Fridays for Future“ sind am kommenden Freitag, den 20. September 2019, alle Generationen weltweit aufgerufen, auf die Straße zu gehen und für die Einhaltung des Pariser Abkommens gegen die anhaltende Klimazerstörung ihre Stimme zu erheben.

An diesem Tag finden die Beratungen des Klimakabinetts der Bundesregierung statt. In New York wird einer der wichtigsten UN-Gipfel des Jahres vorbereitet.

Ich betrachte das Engagement gerade der jungen Menschen für den Schutz des Klimas mit Sympathie und ermuntere Sie, dieses Engagement mit Ihren Möglichkeiten zu unterstützen.

Wir Christen sind aufgerufen, gemeinsam mit allen Menschen guten Willens praktische Verantwortung für Gottes Schöpfung in ihrer ganzen Fülle zu übernehmen. Der Klimawandel, der steigende Verbrauch erschöpfbarer Ressourcen, die Umweltverschmutzung und der Rückgang der Artenvielfalt führen uns mit aller Deutlichkeit die Notwendigkeit zu handeln vor Augen.

„Der christliche Glaube bekennt sich zu Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde und zu Christus, der die materielle Welt in sich aufgenommen hat und jetzt als Auferstandener im Innersten eines jeden Wesens wohnt (Laudato Si 221), und zum schöpferischen Wirken des Geistes Gottes in dieser Welt. Die christliche Hoffnung gründet in der göttlichen Verheißung auf Leben in Fülle und Heil. Dieser Glaube und diese Hoffnung sind die christlichen Beweggründe für die Bewahrung der Schöpfung und die Gestaltung einer menschenwürdigen Zukunft in Solidarität mit den künftigen Generationen.“ So steht es in den Nachhaltigkeitsleitlinien unserer Diözese. Die Bewahrung der Schöpfung gehört zum Kernbestand unseres Glaubens. Darum sind wir gefordert als schöpfungsfreundliche Kirche selbst Verantwortung zu übernehmen und Vorbild zu sein.

Bereits im Jahr 2007 haben wir in unserer Diözese eine zunächst auf zehn Jahre angelegte Klimainitiative auf den Weg gebracht. Inzwischen wurde sie zu einer sämtliche Arbeitsfelder einschließenden umfassenden Nachhaltigkeitsinitiative ausgeweitet. Dabei geht es um nachhaltiges Gebäudemanagement ebenso wie um die Themen Beschaffung, Mobilität, regenerative Energien, Biodiversität, Öko-Zertifizierung, Verhaltensmotivation in Pastoral und Bildung und vieles mehr. Derzeit sind wir dabei, unser Klimaschutzkonzept umzusetzen. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben wir ab der laufenden Haushaltsperiode hierfür 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ich selbst versuche immer wieder, das Bewusstsein für eine schöpfungsfreundliche Kirche zu schärfen. Dabei setze ich auch immer wieder bewusst Zeichen zur Bewahrung der Schöpfung, zuletzt durch die Anlage eines Biodiversitätsgartens auf dem Dach des Bischofshauses.

In seinem Apostolischen Schreiben „Laudato si“ fragt Papst Franziskus: „Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen? Diese Frage betrifft nicht nur die Umwelt in isolierter Weise, denn es ist unmöglich, das Problem fragmentarisch anzugehen. Wenn wir uns bezüglich der Welt, die wir hinterlassen wollen, Fragen stellen, meinen wir vor allem ihre allgemeine Ausrichtung, ihren Sinn, ihre Werte.“ (LS 160) Der Papst ruft zu einem veränderten Lebensstil auf. Zugleich macht er deutlich, dass individuelles Engagement nicht ausreicht:  „Allerdings ist es zur Lösung einer so komplexen Situation wie der, mit der sich die Welt von heute auseinandersetzen muss, nicht genug, dass jeder Einzelne sich bessert. Die isolierten Einzelpersonen können ihre Fähigkeit und ihre Freiheit verlieren, die Logik der instrumentellen Vernunft zu überwinden…. Auf soziale Probleme muss mit Netzen der Gemeinschaft reagiert werden, nicht mit der bloßen Summe individueller positiver Beiträge.“ (LS 219) Und weiter schreibt er: „Wenn die Bürger die nationale, regionale und kommunale politische Macht nicht kontrollieren, ist auch keine Kontrolle der Umweltschäden möglich. Andererseits können die Gesetze der Gemeinden wirksamer sein, wenn Vereinbarungen zwischen benachbarten Ortschaften bestehen, um die gleiche Umweltpolitik zu unterstützen.“ (LS 179)

In diesem Sinne bitte ich Sie, als Schwestern und Brüder im Glauben und als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Diözese, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen und beispielhaft zu wirken. Ich bitte Sie, in den Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen auf ein entsprechendes Bewusstsein und die Verwirklichung einer schöpfungsfreundlichen Kirche hinzuwirken.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und grüße Sie herzlich

Ihr

Gebhard Fürst

Bischof