Pilgern

Ulrikaweg als neue Pilgerroute eröffnet

Der Ulrikaweg lädt ein, mit der eigenen Sehnsucht nach „mehr“ und „anders“ aufzubrechen. Schwester Benedicta-Maria Kramer und Dieter Schweikert-Skodda, Initiatoren der neuen Pilgerroute, machen sich auf den Weg. Foto: DRS/Jerabek

Unter dem Gedanken „Einfach mehr“ steht der Ulrikaweg. Die neue Pilgerroute durch Oberschwaben wurde im kleinen Rahmen der Öffentlichkeit übergeben.

Der 124 Kilometer lange Weg verbindet die Gemeinde Unterstadion, die Heimat der seligen Schwester Ulrika, mit dem Kloster Hegne. Er führt in sechs Etappen über Mittelbiberach, Steinhausen, das Kloster Sießen, Illmensee und Salem nach Überlingen und von hier aus mit dem Schiff über den Überlinger See weiter zum Kloster Hegne. Namensgeberin ist Ulrika Nisch (1882-1913), Kreuzschwester im Kloster Hegne, die 1987 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde.

Ziel des Weges ist es, „dass Menschen aufmerksam werden auf Schwester Ulrika, dass sie in Berührung kommen mit ihrer Botschaft und ihrem Leben; dass sie in Berührung kommen mit der Schöpfung, mit sich selber; dass sie zu sich selber finden und letztlich zur Liebe Gottes“, sagte Schwester Benedicta-Maria Kramer bei der Übergabe vor der Ulrikakirche in Unterstadion. An jedem Etappenziel steht eine Stele mit einem Zitat von Schwester Ulrika und einem Impuls für den Weg.

„Pilgern heißt ja: Beten mit den Füßen“

Sr. Benedicta-Maria Kramer von der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz in Hegne, und Dieter Schweikert-Skodda, Vorstand des Freundeskreis Schwester Ulrika in Unterstadion, sind die treibenden Kräfte hinter dem Pilgerweg, der ein Gemeinschaftsprojekt der Theodosius-Akademie der Stiftung Kloster Hegne, des Klosters und des Freundeskreises ist. Aus einer seit vielen Jahren von Schweikert-Skodda organisierten Pilger-Fahrradtour kam der Anstoß, auch einen Fußwanderweg zu errichten.

„Pilgern heißt ja: Beten mit den Füßen“, schmunzelt Schwester Benedicta-Maria. Und so wie Schwester Ulrika wahrscheinlich gesagt hätte, Kochen sei Beten mit dem Kochlöffel, gehe es bei dem neuen Pilgerweg darum, das ganz Normale, das Alltägliche in den Blick zu nehmen und zum Gebet zu machen. „Bescheidenheit, Einfachheit, Zuwendung zum Nächsten, Vertrauen in Gott und vieles mehr sind Haltungen unserer Seligen, die gerade in diesen Tagen neue Bedeutung gewinnen“, betont die Schwester mit Blick auf die Corona-Lage.

"Kein Maß kennt die Liebe“

„Einfach mehr“ sei deshalb der zentrale Gedanke des Ulrikaweges.  Auf der Suche nach dem „Mehr“ an Leben, Identität und Spiritualität brauche es Wege, Orte und Menschen. Das einfache und doch so besondere Leben von Schwester Ulrika bezeuge dieses „Mehr“, das sie selbst in die Worte fasste: „Kein Maß kennt die Liebe“. Der Ulrikaweg lade dazu ein, mit der eigenen Sehnsucht nach „mehr“ und „anders“ aufzubrechen.  

Selige Ulrika von Hegne

1882   Am 18. September geboren in Mittelbiberach/Württ.
1904   Klostereintritt in Hegne, ab 1907 bis zur Erkrankung im Jahr 1912 Küchenschwester in Bühl/Baden und Baden-Baden
1913   Am 8. Mai stirbt Schwester Ulrika in Hegne
1952   Einleitung des Seligsprechungsprozesses
1987   1. November in Rom Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II.
1991   Ihre Gebeine werden vom Klosterfriedhof in die neu erbaute Krypta der Klosterkirche übertragen

Die ursprünglich geplante große Einweihung mit Weihbischof Dr. Gerhard Schneider wurde corona-bedingt um ein Jahr verschoben. Doch da der Weg fertig beschildert ist, entschloss man sich, den Ulrikaweg in kleinem Rahmen, in Stille und in der Einfachheit, die auch Schwester Ulrika gelebt hat, den Pilgerinnen und Pilgern zu übergeben. Die aktuellen Herausforderungen und Beschränkungen könnten ja gerade auch eine Spur zum Geheimnis des Lebens von Schwester Ulrika legen, sagt Schwester Benedicta-Maria. In diesem Sinn könne Schwester Ulrika selbst für andere Menschen zum Wegzeichen werden.

Spiritueller Gewinn und touristisches Highlight

Nach den Worten von Dr. Thomas Pitour,  Leitender Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Donau-Winkel, weist der Pilgerweg darauf hin, „dass wir Menschen Pilger sind“: Auf dem Lebensweg, der ja auch schwierige Etappen habe, brauche es ein klares Ziel und eine Gemeinschaft, die bei der Orientierung helfe. Auch Unterstadions Bürgermeister Uwe Handgrätinger freut sich, dass es mit dem Ulrikaweg einen weiteren guten Pilgerweg gebe, der über den spirituellen Gewinn hinaus auch ein touristisches Highlight ist.

Der Weg, der durch vielgestaltige wunderbare Landschaften führt, schaffe Verbindung zwischen der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem Erzbistum Freiburg und verbinde Klöster, Schlösser, Kirchengemeinden vom Oberschwäbischen bis zum Bodensee, ergänzt Schwester Benedicta-Maria. Mehrere Seelsorgeeinheiten, durch die der Ulrikaweg führt, sind dem Andenken an die selige Ulrika Nisch besonders verbunden. Finanziell gefördert wird die Errichtung des Ulrikaweges von der Erzbischof-Hermann-Stiftung der Erzdiözese Freiburg, der Diözese Rottenburg Stuttgart, der OEW Energie-Beteiligungs GmbH Ravensburg und der Stiftung Kloster Hegne.

Als erste Pilger sind in der ersten Mai-Woche Schwester Benedicta-Maria Kramer und Dieter Schweikert-Skodda auf dem Ulrikaweg unterwegs. Sie nehmen verschiedene Anliegen mit auf den Weg: „Gott möge auf die Fürsprache von Schwester Ulrika allen Menschen Trost und Kraft und Hoffnung schenken“, wünscht die Kreuzschwester. „Möge von diesem Weg viel Kraft und Zuversicht für alle ausgehen.“

Ulrikaweg

Die gesamte Wegstrecke des Ulrikaweges (inkl. Überfahrt über den Überlinger See) beträgt 124 km.
Der Weg ist in sechs Etappen unterteilt:
1. Unterstadion - Mittelbiberach (17,9 km)
2. Mittelbiberach - Steinhausen (9,2 km)
3. Steinhausen - Kloster Sießen (23,7 km)
4. Kloster Sießen - Illmensee (26,6 km)
5. Illmensee - Schloss Salem (21,4 km)
6. Salem - Kloster Hegne (23,7 km) 

Impressionen vom Ulrikaweg sind auf Facebook (Theodosius Akademie), Instagram (Theodosius Akademie, #ulrikaweg) und unter www.theodosius-akademie.de sowie www.ulrikaweg.de zu finden.