Geschichte

Unter Marias Mantel

Ein bemerkenswertes Bild der Schutzmantelmadonna befindet sich am Hochaltar der St.-Bernhard-Kapelle in Stetten bei Ehingen. Es wird flankiert von Figuren des heiligen Bernhard (links) und des heiligen Norbert. Foto: DRS/Jerabek

Weit ausgebreitet ist der Mantel Marias in Stetten bei Ehingen. Auch Bischof Joannes Baptista Sproll hat bei der Schutzmantelmadonna Zuflucht gesucht.

Eine Dankwallfahrt machte Bekennerbischof Sproll etwa zwei Wochen nach seiner Rückkehr aus der Verbannung im Juni 1945 nach Stetten, einem Ortsteil von Kirchen, das heute zur Großen Kreisstadt Ehingen im Alb-Donau-Kreis gehört. Es muss „im Heuet“ gewesen sein, doch „der Tag ist nicht genau bestimmbar“, sagt Franz Xaver Schmid. Der pensionierte Pfarrer und Sproll-Forscher aus Munderkingen hat aus Berichten eine kleine Begebenheit festgehalten, die ein Schlaglicht auf die tiefe Spiritualität des Joannes Baptista Sproll wirft.

Weil an jenem Tag um 11 Uhr beide Glocken von St. Bernhard läuteten, habe Bauer Missel seinen 14-jährigen Sohn Anton zur Dorfkapelle geschickt, um nach dem Anlass zu sehen. Ein Auto sei an der Kapelle vorgefahren und der alte Mann, der darinsaß und nicht gehen konnte, sei von seinem Fahrer und einem Bauern in die Kapelle geführt worden, heißt es in Schmids Aufzeichnungen. Es war der Rottenburger Bischof.

Auf der Flucht und in der Verbannung, die sieben Jahre währte, habe er immer wieder die Schutzmantelmadonna von Stetten angerufen und versprochen, dass eine seiner ersten Fahrten nach Stetten geht, „wenn ich heil aus der Sache heraus komme“, ließ Bischof Sproll den Bauernsohn in der Kapelle wissen. Dieses Versprechen einzulösen, sei er jetzt da.

Als Pfarrer von Kirchen gewirkt

Die St.-Bernhard-Kapelle, ursprünglich eine Marienkapelle in Marchtaler Besitz, von 1670 bis 1803 zum Zisterzienserkloster Salem (Bodensee) gehörend, ehe das Dorf unter württembergische Oberhoheit kam, war Sproll bestens vertraut. Drei Jahre lang, von 1909 bis 1912, hatte er als junger Pfarrer in Kirchen gewirkt und regelmäßig Messen in Stetten gehalten. Aus dieser Zeit rührt wohl die besondere Verbundenheit mit der Schutzmantelmadonna her, die das Altarbild der St.-Bernhard-Kapelle ziert.

Unter Marias weit ausgebreitetem Mantel aus dunkelgrünem Brokat, der von Engeln gehalten wird, suchen Vertreter der weltlichen und geistlichen Stände sowie ganz normale Gläubige Zuflucht, den Blick vertrauensvoll auf die Gottesmutter und das segnende Jesuskind gerichtet.

Der Gottesmutter anvertraut

Bischof Sproll hatte sich einst nicht nur persönlich der Gottesmutter anvertraut, sondern stellte durch die Marienweihe am Rosenkranzfest 1943 die ganze Diözese unter ihren besonderen Schutz. Die Hinwendung zu Maria fußte auf einem starken Christusglauben, der Weiheakt war ihm „das feierliche Bekenntnis zu dem, der allein die Welt retten kann, (…) das laute Bekenntnis unseres Glaubens an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der Fleisch angenommen aus Maria, der Jungfrau, und der unser Bruder geworden ist“, wie er aus der Verbannung in einem Hirtenbrief zur Vorbereitung schrieb. Bereits Jahre zuvor, im Oktober 1937, hatte er seinen Diözesanen den Rosenkranz als „eine der feierlichsten Bekenntnisse des Glaubens an Christus unseren König, an den menschgewordenen Sohn Gottes“ empfohlen. In den bald folgenden Zeiten der Bedrängnis und Verbannung war ihm der Rosenkranz ein Quell des Trostes.

INFO

Die St.-Bernhard-Kapelle in Ehingen-Stetten, liebevoll betreut von Mesnerin Maria Baur, ist sonntags geöffnet.

Am Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz (7. Oktober) bzw. dem darauffolgenden Sonntag, sind alle Gemeinden der Diözese eingeladen, die Marienweihe zu erneuern.