Jugendstiftung

Weitblicker: Für Chancengleichheit und Nachhaltigkeit

Stabübergabe bei der diözesanen Jugendstiftung „just“: Stefanie Oeben (links) übergibt die Geschäftsführung an Anna Stützle. Bild: Gregor Moser

Video: Constanze Stark

Nach sechs Jahren verabschiedet sich Stefanie Oeben als Geschäftsführerin der Jugendstiftung "just". Anna Stützle tritt Ihre Nachfolge an.

Die Jugendstiftung „just“ schiebt mit ihrem Förderschwerpunkt „Weitblicker“ bis 2021 Projekte an, die sich gegen Populismus, für Chancengleichheit und für Nachhaltigkeit einsetzen. Dazu hat die Stiftung mit Anna Stützle seit Kurzem eine neue Geschäftsführerin, die den Förderschwerpunkt vorantreibt und so Raum für viele Ideen schaffen will. „Ich möchte Kinder und Jugendliche unterstützen, ihre Pläne umzusetzen. Das ist es, was mich antreibt“, beschreibt die 32-Jährige ihre Motivation.

„Unser Anspruch ist es, etwas anzustoßen. Etwas, bei dem am Ende alle gewinnen“, bringt es Stefanie Oeben auf den Punkt, die sechs Jahre Geschäftsführerin von „just“ war und diese Aufgabe nun an Stützle übergibt. Beispiele, wie das gelingen kann, gibt es viele. In Rottweil wolle der BDKJ gemeinsam mit der jüdischen und muslimischen Gemeinde gegen Rechtspopulismus arbeiten, sagt Stützle und Oeben nennt das Projekt "Pack die Badehose ein", in dem die Caritas und das Jugendreferat Balingen schon seit drei Jahren eine Urlaubswoche für Kinder aus sozial benachteiligten und anderen Familien in einem Ferienhaus am Bodensee organisieren. Die Teilnehmer profitierten von dem Austausch. Ein besonders schöner Nebeneffekt: Jugendliche, die über die Caritas dazukamen, wurden motiviert, sich ehrenamtlich zu engagieren und mitzugestalten. „Das ist doch das Nonplusultra, das man erreichen kann“, freut sich Oeben. Der Erfolg sei auch andernorts bemerkt worden: „Mittlerweile sind noch andere Sponsoren mit im Boot“, stellt sie fest.

Die Fördersummen, die „just“ vergibt, betragen meist zwischen 500 und 8000 Euro pro Projekt. Maximal 50 Prozent der Gesamtkosten werden übernommen. Die Ideen müssen über die Grenzen der eigenen Gruppe hinaus Wirkung entfalten und die Finanzierung muss in Teilen durch ein Vor-Ort-Engagement gestemmt werden. Eine andere Voraussetzung wird dagegen auch flexibel ausgelegt. So sollten Antragssteller in kirchlicher Trägerschaft sein; doch wenn das einmal nicht der Fall ist, aber alles andere passt, wird nach einer Lösung gesucht. Oeben erinnert sich: Eine nichtkirchliche Theatergruppe aus Esslingen entwickelte ein Stück für psychisch kranke Jugendliche, stellte einen Förderantrag und da die Idee bei „just“ ankam, wurde die Kirchengemeinde vor Ort kurzerhand angefragt und als Partner eingebunden. Das Projekt kam zustande und wurde zum Erfolg. „Eine Win-Win-Situation“, sagt Oeben.  

Finanziert wird die Arbeit der Stiftung, die unter dem Dach der Diözese Rottenburg-Stuttgart firmiert, aus drei Quellen: Den Zinserträgen des Stiftungskapitals, aus Spenden und über die Jugendsonntagskollekte, die dieses Jahr am Sonntag, 24. November, in den Kirchen der Diözese gehalten wird. Die Hälfte des dort gesammelten Gelds fließt an die Jugendstiftung, die andere Hälfte verbleibt in den Gemeinden für die Jugendarbeit vor Ort, erläutert Oeben und sagt: „Der Großteil unseres Budgets kommt aus dieser Kollekte.“ 

Drei Fragen an Weihbischof Thomas Maria Renz

Stiftung unterstützt Jugendliche bei Verwirklichung ihrer Ideen

Weihbischof Thomas Maria Renz, der gemeinsam mit Diözesanjugendseelsorger Markus Scheifele im zweiköpfigen Vorstand der Jugendstiftung „just“ ist, im Gespräch über den Stiftungs-Auftrag und über deren Arbeitsweise.

Herr Renz, die kirchliche Jugendarbeit innerhalb der Diözese hat ihre Verbände mit deren festen Etats. Wozu braucht es da eigentlich noch eine Jugendstiftung?

In der Jugendstiftung geht es darum, wirklich innovative Projekte, die von der Basis kommen, zu unterstützen. Jungen Menschen soll dabei geholfen werden, sich zu engagieren. Dazu braucht es oft gar keine großen Geldbeträge. Aber wenn vor Ort keine Mittel da sind, wird solchen Ideen schnell der Wind aus den Segeln genommen. Das wollen wir verhindern.

Auf was legen Ihre Kolleginnen und Kollegen im Stiftungsrat und Sie bei der Vergabe der Mittel ein besonderes Augenmerk?

Ein Aspekt, der in den vergangenen Jahren immer wichtiger wurde, ist der mit unserer Förderung verbundene Bildungsauftrag. Die Antragssteller, die oft 13-, 14- oder 15-jährig sind, müssen ihr Projekt planen, Mittel beschaffen, ein Team zusammenstellen und das Projekt abschließend evaluieren. Solche Abläufe sind wichtig, denn die Jugendlichen brauchen sie später auch in anderen Bereichen. Und da werden sie von uns begleitet und unterstützt. Bei der Bewertung von Projekten kommt es im Stiftungsrat auch oft zu Kompromissen, was die Höhe der Unterstützung betrifft. Es geht eben nicht nur um das Geldverteilen und insofern ist die Stiftungsarbeit eine schöne Sache und auch ein bisschen ein Alleinstellungsmerkmal, denn solche kirchlichen Jugendstiftungen gibt es nicht in vielen anderen Diözesen.

Wie sehen Sie den jetzt erfolgten Wechsel in der Geschäftsführung der Jugendstiftung?

Frau Oeben, die in die Hauptabteilung ‚Kirche und Gesellschaft‘ des Bischöflichen Ordinariats wechselt, hatte auch nach sechs Jahren im Amt noch viele Ideen und ich bin mir sicher, dass auch Frau Stützle jetzt ihre eigenen Ideen und Sichtweisen in die Arbeit einbringen wird.