Ehrenamt

„Wir brauchen einen Kulturwandel“

Weihbischof Matthäus Karrer. Bild: DRS

Weihbischof Matthäus Karrer sprach mit Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen über Anerkennung und Teilhabe im Ehrenamt der Kirche.

Transparente Kommunikation, eine Feedback- und Anerkennungskultur sowie die Begegnung auf Augenhöhe – das, sagt Weihbischof Matthäus Karrer, seien die zentralen Punkte, in denen Wertschätzung deutlich wird. „Dabei hatte ich mich in der Diskussion auf viel mehr kritische Nachfragen eingestellt – die alle überhaupt nicht kamen.“ Vielmehr sei die Konferenz von einem offenen Austausch getragen worden und von dem Willen, einen guten Prozess anzustoßen.

Das virtuelle Treffen unter dem Motto "Wie wär's mit Rampenlicht?" war Teil der Reihe „Baustelle Ehrenamt“, die Mitarbeiterinnen aus dem Bischöflichen Ordinariat, des Caritasverbands und der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Organisationen und Verbände (ako) gemeinsam entwickelt haben.

Nicht nur Hilfsdienste oder Lückenbüßer

Aber wie sieht es mit Aufwandspauschalen aus? Mit Geschenken? „Es ging den Menschen, die an diesem Abend zusammenkamen, überhaupt nicht um monetäre Anerkennung“, berichtet Karrer. Was Ehrenamtlichen hingegen oft fehlt, sei echte Anerkennung durch Teilhabe, und die lasse sich nicht mit Geld kaufen.

Neben einem Dank, der, wenn er ausgesprochen wird, von Herzen und nicht als Floskel daherkommen sollte, ist es vor allem die Begegnung auf Augenhöhe, die Anerkennung spürbar werden lässt. „Ehrenamtliche wollen nicht nur Hilfsdienste oder Lückenbüßer sein“, sagt Karrer. „Die Menschen bringen ihre Kompetenz und ihre Zeit gern ein, wollen aber auch mitgestalten, mitentscheiden und ernstgenommen werden.“

Der Wunsch nach Zutrauen und Teilhabe richtet sich übrigens nicht nur an die Hauptberuflichen. „Da geht es auch um die ehrenamtliche Arbeit in den Gemeinden“, so Karrer. „Darum, dass in der Gemeinde nicht immer nur nach dem Pfarrer und den Hauptamtlichen gerufen wird, weil vermeintlich nur die es richtig machen können.“

Den Blick auf den Menschen richten

Vielmehr sollten sich Gemeinden um ein Miteinander bemühen, in dem Begegnung und Wertschätzung an Bedeutung gewinnen. „Eine Kultur des Zutrauens und Zurüstens“, nennt Karrer das. „Der Blick sollte auf die Kompetenzen aller Menschen gerichtet sein, nicht nur auf die Ämter und Dienste.“

Der Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“, den die Gemeinden, Seelsorgeeinheiten und Einrichtungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in den vergangenen Jahren gegangen sind, habe bereits erste Anstöße in diese Richtung gegeben. Im Mittelpunkt standen oft jedoch die strukturellen Herausforderungen. „Jetzt“, so Karrer, „geht es darum, Habitus und Haltung zu verändern. Das ist natürlich sehr viel schwieriger.“

Wichtiger Teil dieser Kulturveränderung: Transparenz in Entscheidungswegen und eine bessere Kommunikation. „Auch das ist Wertschätzung.“ Diese Bitte der Ehrenamtlichen, die sich auch an die Verwaltung der Diözese richtet, hat Weihbischof Karrer gehört und mitgenommen. „Das bringen wir gerade auf den Weg.“ Denn gerade jetzt, in Zeiten, in denen es, je nach Pandemielage, immer wieder neue Regelungen gibt, gehe es darum, einen offenen Austausch rasch umzusetzen. „Zum Beispiel ist wichtig, dass nicht nur der Pfarrer, sondern auch die Gewählten Vorsitzenden direkt die Mitteilungen der Diözese erhalten."

Positive Auswirkung auf das pastorale Wirken

Die strategische Ehrenamts- und Engagemententwicklung steht bei Weihbischof Matthäus Karrer und seinen Referentinnen und Referenten schon länger ganz oben auf der Liste. „Dafür haben wir auch einen klaren Auftrag des Diözesanrats, jetzt geht es darum, noch einmal eine Schippe draufzulegen.“ In Abstimmung mit Caritasverband und ako wird bereits überlegt, wie die Diözese Gemeinden, Einrichtungen und Verbände unterstützen kann, damit diese den Kulturwandel anstoßen können.

Neben einer Anerkennungs- und Feedbackkultur müsse gelernt werden, Menschen fürs Ehrenamt nicht nur im kirchlichen, sondern auch im gesellschaftlichen Bereich zuzurüsten, zu begleiten und zu stärken. „Wir müssen lernen, Menschen mit ihren Talenten nicht nur an uns zu binden, sondern zum Beispiel auch im Engagement in der Politik oder bei den 'Blaulicht-Organisationen' zu ermutigen und zu stützen“, sagt Karrer. Er sei überzeugt davon, dass ein Wandel möglich ist. „Und wenn wir den schaffen, dann wird das auch eine äußerst positive Auswirkung auf unser pastorales Wirken haben.“

Gott hat(te) schon immer starke Engagierte

„Von der Bibel bis heute: Gott hat(te) schon immer starke Engagierte“ ist das Thema des dritten und letzten Meetingsam Montagabend mit Dr. Katrin Brockmöller, der Direktorin des Katholischen Bildungswerks. In der Einladung heißt es: "Schon zu allen Zeiten haben sich Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche ehrenamtlich in Kirche und Gesellschaft engagiert. Gibt es eigentlich in den biblischen Texten schon Spuren zum Ehrenamt? Welche Personen in der Bibel inspirieren uns für unser Ehrenamt? Wir wollen gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen!"