Synodaler Weg

Zeitgeist früherer Jahrhunderte aus der Kirche blasen

Plakat zum Vortrag mit Pater Martin werlen OSB

Der ehemalige Einsiedelner Abt, Benediktinerpater Martin Werlen, spricht und diskutiert bei einer ökumenischen Veranstaltung in Oberschwaben.

Ob der Termin zum Beginn des Synodalen Weges bewusst gewählt wurde? "Verspielte Glaubwürdigkeit, drastischer Mitgliederschwund, leere Kirchen, Resignation , wohin man blickt", stellen die evangelische und die katholische Kirchengemeinde Bad Waldsee und andere Kooperationspartner in der Einladung fest. Sie blicken mit Pater Martin Werlen auf die Zukunft der Kirche. Wir haben den ehemaligen Benediktinerabt von Einsiedeln vorab befragt.

Pater Martin, heute beginnt in der katholischen Kirche in Deutschland der Synodale Weg, der Reformen in den Blick nimmt. In welchen Bereichen sehen Sie Erneuerungsbedarf?

Pater Martin: Die Kraft des Glaubens neu entdecken. Dann diesen Glauben engagiert und vertrauensvoll heute leben, statt ängstlich besorgte Denkmalpflege der Vergangenheit betreiben. In dieser Haltung dürfen wir alle Themen des Synodalen Weges angehen.

Welche Themen sprechen Sie in ihrem Vortrag an? Wo ließe sich schon zeitnah etwas ändern?

Pater Martin: Erneuere die Kirche - und fange bei mir an. So heißt es in einem Gebet. Zeitnah lässt sich bei uns etwas ändern. Und das erhoffe ich mir für den heutigen Abend für alle Anwesenden.

In der Schwäbischen Zeitung ist zu lesen, dass Sie "den Staub wegblasen" wollen. Von was sollte sich die Kirche aus Ihrer Sicht verabschieden?

Pater Martin: Vieles, was in der Kirche mit dem Argument „Tradition“ verteidigt wird, ist in der Tat nicht etwas Heiliges, sondern schlicht und einfach Zeitgeist früherer Jahrhunderte. Da braucht es eine Unterscheidung der Geister. Das werden wir miteinander angehen. Falls es Staub aufwirbelt: Das kann nur geschehen, wo es Staub hat.

Der öffentliche Vortrag mit Diskussion unter dem Motto "Wo kämen wir hin? - Für eine Kirche, die Umkehr nicht nur predigt, sondern selber lebt" beginnt am heutigen Donnerstag, 30. Januar, um 19.30 Uhr im Bad Waldseer Haus am Stadtsee. Chefreporter Ludger Möllers von der Schwäbischen Zeitung hat die Gesprächsleitung, der Eintritt ist frei.