Kirchenkunst

Zuflucht in stürmischen Zeiten

In den beiden beherrschenden Bildfenstern haben die Künstler Sieger Köder und Rudolf Kurz das Thema Wasser mit zwei biblischen Szenen aufgegriffen: Die Flucht der Israeliten durch das Meer und Jesus, der den zweifelnden Petrus aus dem Wasser zieht. Foto: Sorg

In den beiden beherrschenden Bildfenstern haben die Künstler Sieger Köder und Rudolf Kurz das Thema Wasser mit zwei biblischen Szenen aufgegriffen: Die Flucht der Israeliten durch das Meer und Jesus, der den zweifelnden Petrus aus dem Wasser zieht. Foto: Sorg

Wie eine Arche, die in stürmischen Zeiten Zuflucht bietet, präsentiert sich die Jakobuskapelle am Holzmühlsee bei Rosenberg. Ein Kleinod.

Sie liegt etwas versteckt und zwischen Eichen- und Ahornbäumen an einem 1A-Platz: die Jakobuskapelle am Holzmühlsee. Doch wer sich kurz vor dem Gelände der Firma J. Rettenmaier & Söhne nach links orientiert und einem geschotterten Fußweg folgt, kommt zu diesem ganz besonderen Ort des Innehaltens, der Ruhe und des Kraftschöpfens.

Die Kapelle ist ein Neubau. Die alte Jakobuskapelle, die bereits Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut worden war, stand direkt auf dem Werksgelände. Sie wurde im April 1975 durch ein ins Rollen geratenes Fahrzeug zerstört. Auf der Suche nach einem neuen Standort für eine Kapelle wurde die Familie Rettenmaier am See, westlich des Firmengeländes gelegen, fündig. Im Mai 2012 wurde die neue Jakobuskapelle von dem früheren Generalvikar der Diözese, Prälat Werner Redies, gemeinsam mit seinen Priesterkollegen Klaus Bürger, Anton Eßwein, Gregor Sorg und Sieger Köder geweiht.

Biblische Szenen am Wasser

Gestaltet und ausgestattet wurde die Kapelle durch die Künstler Sieger Köder und Rudolf Kurz. Zwei große Glasfenster links und rechts des Altars nehmen gefangen. Im linken Fenster rettet Mose die Israeliten vor den Ägyptern, auf dem rechten Bildfenster ist Jesus zu sehen, wie er den zweifelnden Petrus aus dem Wasser zieht. „Sieger Köder und Rudolf Kurz haben in einer einmaligen Zusammenarbeit zwei Bibelstellen ins Bild gesetzt“, sagt Hermann Sorg, Vorsitzender der Stiftung Kunst und Kultur in Rosenberg. Köder malte die Personen wie eine Zeichnung auf das Glas, Rudolf Kurz brachte die Farben auf eine zweite Scheibe auf. In den Glasstudios Detrix in Taunusstein wurden die einzelnen Scheiben gebrannt und als Doppelscheibe zusammengesetzt.

„Es sind zwei biblische Szenen am Wasser“, erklärt Sorg. „Ohne Wasser gibt es kein Leben, aber Wasser bedroht auch das Leben. Das Wasser hat hier am aufgestauten Orbach einst die erste Mühle angetrieben und so der Familie des Müllers Arbeit und Leben ermöglicht. Unweit von hier ist aber auch ein Kind der Familie Rettenmaier ertrunken. Die beiden Bildfenster machen Hoffnung und ermöglichen Glauben in schweren Stunden.“

Interessant ist auch die Architektur der Kapelle selbst. Entworfen und umgesetzt wurde der elliptische Grundriss der Kapelle, der auf einen Fisch als dem frühesten Zeichen des Christentums verweist, von den Architekten Steffi und Arne Wetteskind. Durch ein speziell gewendeltes Türgitter ist das Kapelleninnere von außen stets einsehbar. Es wurde von Stefan Herzog aus München entworfen und gefertigt. Altar und Altarkreuz schuf Rudolf Kurz, ebenso die Josefsglocke auf der zu lesen steht: „Doch der Segen kommt von oben“.

INFO

Die Jakobuskapelle ist erreichbar von der L 1060 (Schwäbisch Hall - Bühlertann - Ellwangen) über eine Zufahrtsstraße bei Rosenberg-Hohenberg in Richtung „Holzmühle“ bzw. „Firma Rettenmaier & Söhne“. Vom Wanderparkplatz Orrotsee lassen sich schöne Spaziergänge machen; außerdem gibt es ein Wassertretbecken und einen kleinen Barfußpfad (Sinnes-Parcours).