Weihnachten 2020

Adventstüten, Engelsflügel und freudige Erwartung

Symbolbild

Mit vielen verschiedenen und kreativen Ideen laden die Stuttgarter Gemeinden Menschen ein, den Advent zu begehen.

Im Advent beginnt für Christen die Vorbereitung auf Weihnachten. Die sieht in diesem Jahr angesichts von Abstandsregeln und Infektionsschutz an vielen Orten anders aus als sonst. In St. Johannes in Untertürkheim hat Angelika Maderthaner 250 Adventstüten für die Kinder im Stadtbezirk gepackt. Im Haus der Katholischen Kirche werden Engelsflügel aufgehängt, mit denen sich die Besucher ablichten und das Bild mit einem Segensspruch verschicken können. Und in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna laufen die Vorbereitungen für eine eucharistische Anbetung, die am zweiten Advent starten wird. Von da an werden sich in der Thomaskirche in Steinhaldenfeld rund um die Uhr Menschen beim Gebet abwechseln.

Die Kirchengemeinderätin Angelika Maderthaner hat ihr Wohnzimmer in Untertürkheim in den vergangenen Tagen in ein kleines Packzentrum umgewandelt. Sie hat mehr als 250 Adventstüten gefüllt mit Adventskalendern, fair gehandelten Schokoriegeln, einem Weihnachts-Memory, einer CD und anderen Überraschungen. Über die Tüten freuen dürfen sich die Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht der Luginslandschule sowie die Mädchen und Jungen der katholischen Kindertagesstätten in Untertürkheim. Etwa 100 Adventstüten zum Mitnehmen finden Familien seit dieser Woche in der Kirche St. Johannes in Untertürkheim vor. „Da wir wegen Corona derzeit keine Kinderkirche anbieten können, möchten wir die Familien ermuntern, gemeinsam zuhause den Advent zu begehen und sich auf Weihnachten vorzubereiten“, sagt die 57-jährige Angelika Maderthaner, die sich seit vielen Jahren im Kirchengemeinderat von St. Johannes engagiert.

Mit Engelsworten an andere Menschen denken

Im Haus der Katholischen Kirche hängen im Advent beleuchtete Engelsflügel im Fenster, die die Passanten auf der Königstraße und die Besucher des Hauses zu einem Selfie einladen, mit dem sie anderen Menschen ein Wort der Aufmunterung, des Dankes und der Zuversicht schicken können. Die passenden Worte finden sich auf Engelskarten, die zum Mitnehmen ausliegen. Die Ordensschwester Nicola Maria findet, dass es gerade in dieser Pandemiezeit mit vielen Kontaktbeschränkungen wichtig ist, an andere zu denken und ihnen dies auch zu zeigen. Aber warum gerade mit Engeln? „Es ist ein Engel, der in Bethlehem Maria und den Hirten auf dem Feld seine Botschaft der Hoffnung, der Zuversicht, der Ermutigung bringt. Gerade in diesem Jahr brauchen wir solche Worte dingender als sonst - für uns selbst und für andere“, so die Ordensfrau.

Jung und alt kommen per Mail, Brief oder Videochat zusammen

Um Kontakte geht es auch in der Gesamtkirchengemeinde Johannes XXIII., wo im Advent Jugendgruppen alte und junge Menschen zu Brieffreundschaften zusammenbringen. Ziel ist es, sowohl jungen als auch älteren Menschen in dieser schweren Zeit zu helfen und ihnen eine neue Kontaktmöglichkeit zu eröffnen. Die jungen Menschen und die Senioren tauschen sich per Mail, per Brief oder auch per Videochat aus, die Initiative geht von den Jugendgruppen in Heumaden, Hohenheim, Degerloch und Sillenbuch aus.

Menschen wechseln sich Tag und Nacht beim Gebet ab

Die Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna macht sich ab dem zweiten Adventssonntag, dem 6. Dezember, auf den Weg, Anbetung 24/7 zu ermöglichen, also 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Ort ist die Kapelle von St. Thomas in Steinhaldenfeld. „Es ist als Anbetung in Stuttgart und für Stuttgart gedacht und Gläubige aus der ganzen Stadt sind eingeladen, sich zu beteiligen, besondere Kenntnisse sind dabei nicht erforderlich. Es genügt, Jesus eine Stunde seiner Zeit zu schenken“, sagt Diakon Martin Fischer. Rund um die Uhr soll in der Thomaskirche nicht nur bis Weihnachten gebetet werden, sondern auch danach. Für Martin Fischer ist dies die Wiederentdeckung eines der Schätze der Kirche: „Einfach da sein können vor Gott, ohne etwas leisten zu müssen – das macht Anbetung so attraktiv.“

Atem holen in der Mittagspause mitten in der Königstraße

Wer eine kurze Auszeit in der Mittagspause sucht, der ist an den Freitagen im Advent immer um 12.15 Uhr zu einer kurzen adventlichen Entdeckungsreise in die Domkirche St. Eberhard eingeladen. Unter dem Stichwort „Atem holen im Advent“ warten Musik, Gebete und Gedanken auf die Besucher. Zu „15 Minuten im Advent“ laden die Cannstatter Kirchenmusiker mit besinnlicher Orgelmusik zur spirituellen Einstimmung auf die  Gottesdienste am Samstagabend um 17.45 Uhr und am Sonntag um 9.45 Uhr.

Besondere Adventsgottesdienste im Spirituellen Zentrum

Im Spirituellen Zentrum station s werden an allen vier Adventssonntagen abends um 19 Uhr besondere Gottesdienste geboten, die immer unter einem bestimmten Thema stehen, zum Beispiel „nichtfürchten-Nikolaus“ am 6. Dezember und „Freut euch“ am 13. Dezember. „Wir machen uns mit den Menschen gemeinsam erwartungsvoll auf den Weg. Mit ausgewählten Texten, Musik und Zeiten der Stille möchten wir Momente der Konzentration schaffen und uns auf Weihnachten und die stille Ankunft vorbereiten“, sagt Kirstin Kruger-Weiß vom Leitungsteam station s. Zur Stille mittendrin lädt das Team von station s auch im Advent, immer mittwochabends um 19 Uhr, coronabedingt allerdings per Video.

Noch vor Sonnenaufgang frühmorgens bei Kerzenschein Gottesdienst feiern

Fast alle katholischen Gemeinden laden im Advent zudem zu Roratemessen bei Kerzenschein ein, die meist frühmorgens noch vor Sonnenaufgang gefeiert werden. Symbolisch wartet die Gemeinde in der dunklen Kirche auf das Kommen des Lichts, auf Christus. Roratemessen werden beispielsweise donnerstags um 6 Uhr in St. Eberhard, donnerstags um 7 Uhr in St. Michael (am 3. und 10. Dezember) in Sillenbuch, am Dienstag, 1. Dezember um 6 Uhr in St. Rupert sowie am Mittwoch, 2. Dezember um 6 Uhr in Liebfrauen in Bad Cannstatt. St. Josef in Feuerbach lädt freitags um 6 Uhr zur Rorate als Wortgottesfeier (4., 11. und 18. Dezember).

In St. Peter lädt ein Adventsweg im Freien zur Einstimmung auf Weihnachten

Wer einen Adventsweg für sich alleine gehen möchte, ist an den Dienstagen im Advent eingeladen, rund um St. Peter eine Adventsspirale abzulaufen, die zwischen 14.30 und 18 Uhr aufgebaut ist. Kerzen stehen bereit und weisen auch den Weg, den man alleine, aber auch in der Familie begehen kann – mit entsprechendem Abstand zu den anderen. In St. Josef in Heslach wird jeden Samstag im Advent um 17 Uhr ein Adventsfenster im Gemeindehaus erleuchtet, gestaltet von unterschiedlichen Gruppen. Auch Impulse zum Mitnehmen werden ausgelegt.