„Allein Gott zur Ehre“

Mit diesem 1784 von Johann Nepomuk Holzhey fertig gestellten Instrument werde ein geistig-geistliches Erbe neu geweckt, sagte der Bischof in seiner Predigt. Mit der über eine Million teuren Sanierung sei eben „kein museales Abgleiten in einen barocken Historismus“ gefördert worden. Wie alle in der Kirchenmusik eingesetzten Stimmen und Instrumente erklinge auch die Holzhey-Orgel „Soli Deo Gloria“ – Gott allein zur Ehre. Der Klang solch prächtiger Orgeln könne die Seele weiten, beschwingen, die Gedanken des Hörers zum Himmel hin öffnen und damit „aufschließen für die Erfahrung mit Gott selbst“.

Zu verdanken ist die Sanierung wesentlich einem 2002 gegründeten rührigen Orgelbauverein („Pfeifenpatenschaften“), großzügigen Spendern, der Begleitung durch das Amt für Kirchenmusik der Diözese und den Experten der Orgelbaufirma Rohlf. Der 1741 in Rappen bei Ottobeuren geborene und zu seiner Zeit bereits weithin bekannte und hoch geschätzte Orgelbauer Johann Nepomuk Holzhey vollendete die Orgel in der Obermarchtaler Stiftskirche St. Peter und Paul, seit 2001 Münster, wohl 1784. Sie hat 41 Register. Eine Renovierung des Meisterstücks Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte dessen Klang erheblich beeinträchtigt. Zudem war das Instrument vom Holzwurm befallen und im Grundbestand beschädigt.

Holzhey galt mit mehr als 40 erbauten Orgeln als einer der produktivsten süddeutschen Orgelbauer, bis die Säkularisation 1803 der Orgelkultur zunächst ein Ende bereitet hatte. Kenner rühmen ihren klassizistischen Klang, der nun nach der Sanierung wieder hergestellt werden konnte. „Der Klang der Holzhey-Orgeln bleibt bei aller Gravität hell und mild“, heißt es in einem Fachbeitrag. Holzhey selbst wurde später "Schwabens berühmtester Orgelbauer" genannt. Seine Obermachtaler Orgel ist nach den Worten von Bischof Fürst „beredetes Zeugnis oberschwäbischer Kultur und Glaubenskraft ".

Der Einweihung an diesem Sonntag folgt in Obermarchtal eine Festwoche mit Konzerten und Führungen. Sie wird abgeschlossen am Sonntag, 14. Oktober, mit einem Konzert um 16 Uhr mit dem „Hassler Consort“, an der Orgel Franz Raml. Am 11. Oktober bereits (Donnerstag) spielt um 19 Uhr der Wiener Orgelprofessor Michael Radulescu.

Hinweis: Kartenvorbestellungen für die Konzerte am 11. und 14. Oktober beim Tagungshaus Obermarchtal, (07375) 9505-0, obermarchtal(at)tagungshaus.net

Uwe Renz