„Als Christen mitten im Lebensalltag“

Als Christen mitten im Lebensalltag könnten sie besonders sensibel gesellschaftliche Veränderungsprozesse wahrnehmen und darauf glaubwürdig reagieren, sagte Drumm am Sonntag im hohenlohischen Schöntal als Hauptredner bei der Delegiertenversammlung des Verbandes Katholisches Landvolk (VKL) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Kirchliche Verbände seien in herausragender Weise geeignet, sich im übertragenen Sinn auf „Frei-Land-Versuche“ einzulassen und eine kirchliche Binnensicht und -kultur zu überwinden. „Eine missionarische Kirche kann sich nicht damit begnügen, dass die so genannten Kirchentreuen jene 85 Prozent der Christen, die nicht mehr am Gemeindeleben teilnehmen, zurückgewinnen wollen“, betonte der Ordinariatsrat. Vielmehr gelte es, das Christentum in einer veränderten Alltagskultur „neu zu inkulturieren und neu zu kultivieren“.

Als Beispiele für teilweise völlig veränderte Bedingungen, mit denen sich Christen heute konfrontiert sehen, nannte Drumm unter anderem Umwälzungen durch Technik und Medien, durch religiöse und kulturelle Vielfalt, durch Neubestimmungen im Verhältnis der Geschlechter zueinander oder durch neue naturwissenschaftliche und philosophische Erkenntnisse mit ihren Auswirkungen auf das Bild von Gott und Welt. Christliche Verbände seien besonders dazu ausersehen, in der gesellschaftlichen Begegnung Ungewohntes weder zu verurteilen noch zu verherrlichen, sondern die Geister zu unterscheiden und die moderne Welt mitzugestalten. Der Ordinariatsrat ermutigte ausdrücklich dazu, im Vertrauen auf Gottes Geist auch in der modernen Zeit mit ihren vielen Umbrüchen nach vorn zu blicken: „ Es ist wohl nicht zu erwarten, dass der Geist nur bei jenen wirkt, die sich an das Gewohnte halten und die sich ‚brav’ in vorgegebene Muster einfügen.“