Als Partner sich einmischen

Bei einem Treffen mit Bundestagsabgeordneten aus dem Südweststaat am Donnerstag in Berlin hoben sie die besondere rechtliche Stellung der beiden großen Kirchen wie auch deren besondere Verpflichtung für den Dienst an den Menschen hervor. Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst plädierte in seiner Ansprache dafür, die Akzeptanz von Politik wie von Kirche auf breiter Basis zu stärken. „Kirche und Politik ringen um ihre Glaubwürdigkeit“.

Bischof Fürst mahnte eine politisch koordinierte Einmischung der Kirchen in die Gesellschaft zum Wohl der Bürger an. Die Kirchen würden sich keinesfalls „auf ihren Binnenbereich“ zurückziehen. Auf eine solche Weise würde das Wort Papst Benedikts von einer „Entweltlichung“ gründlich missverstanden. Wie die Politik solle sich die Kirche im Interesse der Bürger einmischen, wenn auch von einem anderen Standort aus. Durch Positionsbestimmungen, Diakonie und Caritas, Engagement in Kunst und Kultur, in Entwicklungszusammenarbeit und breit gefächerter Seelsorge trügen die Kirchen grundlegend zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei, so Bischof Fürst.

Die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen werde zusätzliche Finanzmittel im Pflegesystem erfordern, betonte der Freiburger Weihbischof Bernd Uhl. Weitere Beitragserhöhungen in den nächsten Jahren seien unausweichlich. Unter anderem mit 148 Sozialstationen und 148 stationären Einrichtungen für dort täglich betreute 12.000 Pflegebedürftige leiste die katholische Kirche im Land einen großen Beitrag. Erzbischof Zollitsch dankte den Politikern für das Gespräch. Er verwies auf die Bedeutung von Religion für den Alltag der Menschen, "denn sowohl Kinderbetreuung wie Pflege alter und kranker Menschen sind nicht nur eine Frage der Finanzen".

Die Kirchen hätten der grün-roten Regierung konstruktive Zusammenarbeit angeboten, sagte der baden-württembergische Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, Peter Friedrich. In bisherigen Gesprächen habe man viele Übereinstimmungen zwischen Regierungsprogramm und kirchlichen Anliegen festgestellt. Besonders hob Friedrich die Familienpolitik und den von den Kirchen seit Jahren geforderten Armutsbericht hervor. Im Koalitionsvertrag habe sich die Regierung auf einen solchen Bericht verpflichtet, so der Minister.

Uwe Renz