Alternativ sein: das Leben auf die Liebe setzen

Dies hat Bischof Gebhard Fürst im Gottesdienst des Jugendfranziskusfestes betont, zu dem die Franziskanerinnen des oberschwäbischen Klosters Sießen am Sonntag eingeladen hatten. „Christen“, so fuhr Bischof Fürst fort, „sind Menschen, die ihr Leben für andere leben und es so anders und neu wiederfinden.“

Der Rottenburger Bischof stellte seinen jugendlichen und erwachsenen Zuhörern die Gestalt der hl. Elisabeth von Thüringen vor Augen, die vor 800 Jahren geboren wurde. Das Leben dieser aus Ungarn stammenden und auf der Wartburg bei Eisenach lebenden Adeligen fasziniere ihn, so Bischof Fürst, weil sie „einen radikal anderen Lebensstil“ gewagt habe. Sie habe sich nicht in den Glanz der höfischen Welt zurückgezogen, sondern sei von ihrer Burg zu den Ärmsten der damaligen Gesellschaft hinabgestiegen. Es sei „nicht unserer Welt Lauf, heruntersteigen und herzugeben“, sagte der Bischof. Zumeist gehe es gerade andersherum zu: „hinaufsteigen, seinen Platz verteidigen“. „Was man hat, das hat man, man muss sich nehmen, was man bekommt“, karikierte Bischof Fürst diese Lebenseinstellung und sagte im Blick auf Elisabeth von Thüringen: „Heilig heißt in ihrem Fall: ganz anders als die Welt.“ Elisabeth habe gewagt, Liebe zu geben, und habe „auf diese wirklich alternative Art des Lebens genau das verwirklicht, was von Jesus Christus berichtet wird“, sagte der Rottenburger Bischof. Die einfachen Menschen, die Elisabeth von Thüringen als Heilige verehrten, hätten damals ebenso wie heute verstanden, aus welcher Quelle sie gelebt habe „und worum es im Christentum geht“. Darin, so Bischof Fürst, bestehe die tiefste Wahrheit des Evangeliums: „Wer sein Leben auf die Liebe setzt, der kommt auf diesem Weg zu sich selbst und seiner Berufung auf die Spur.“ Die Gestalt Elisabeth sei nicht fernab und unerreichbar. Sie sei vielmehr „eine Heilige für uns, damit wir unsere eigene Berufung verstehen und ergreifen“, ermutigte der Bischof die Teilnehmer des Sießener Jugendfestes.