An die Ränder des Lebens gegangen

Rottenburg/Rom. 22. Oktober 2015. Erstmals in seiner 50-jährigen Geschichte hat das Internationale Diakonatszentrum (IDZ) herausragende diakonische Projekte weltweit ausgezeichnet. Schirmherr des IDZ ist der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst, der aus gesundheitlichen Gründen die von ihm gestifteten Preise im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums am Donnerstag in Rom nicht persönlich überreichen konnte. In einer auf dem bis Sonntag dauernden Kongress verlesenen Würdigung bezeichnete Bischof Fürst die ausgezeichneten Initiativen im Sinne von Papst Franziskus als „Vorbilder für christliches Engagement an den Rändern des Lebens“.

Einem Projekt des ungarischen Diakons László Gorove und seiner Frau Krisztina zur Vorbereitung und Stabilisierung von Ehen erkannte die Jury den ersten Rang (3.000 Euro) zu; den zweiten Rang teilen sich drei Projekte aus Spanien, Kuba und Indien. Der insgesamt mit 6.000 Euro ausgestattete Preis wird alle drei Jahre verliehen. 13 Bewerbungen waren eingereicht worden.

Der spanische Diakon und Lehrer Germán Agustí betreibt ein sozialdiakonisches Projekt insbesondere für Roma-Familien in der strukturschwachen und von hoher Arbeitslosigkeit betroffenen Region Can Espinos bei Barcelona. Er gründete die „Asociación pro ayuda de Minorias Marginadas“ (APAMM), eine Hilfsorganisation für Minderheiten. APAMM bekämpft mit Bildungs- und Freizeitangeboten die Drogengefahr, bietet Erste-Hilfe-Kurse, versorgt Bedürftige mit Nahrungsmitteln und fördert mit einem Wohnbauprogramm die Urbanisierung. APAMM bekommt keine Subventionen und ist auf Spenden angewiesen.

Der kubanische Diakon Fulgencio Palacio organisiert auf Kuba in der Region Paso de Lesca den Kauf von Lebensmitteln für Kinder und Menschen, die verarmt auf dem Land wohnen. Der Diakon fährt auch zu sehr armen Familien, die sich die Reise zu Gemeinschaftstreffen nicht leisten können. Unterstützt wird sein Projekt von der örtlichen Diözese.

Im indischen Mumbai betreiben sechs Diakone der gleichnamigen Erzdiözese ein Sozialprojekt für die ärmsten Einwohner. Sie machen Hausbesuche, organisieren Hilfe, klären in Gesundheitsfragen auf und kooperieren in der Prävention mit Fachstellen.

An dem bis Sonntag dauernden Kongress nehmen über 500 Diakone aus 37 ländern und ihre Ehefrauen teil. Präsident des IDZ ist der aus Stuttgart stammende und in Frankfurt-St. Georgen lehrende Theologieprofessor und Diakon Klaus Kießling. Das Zweite Vatikanische Konzil stellte das Amt des Diakons, das auch verheirateten Männern offen steht, als eigene und beständige hierarchische Stufe in der katholischen Kirche wieder her. Die weltweit ersten Ständigen Diakone wurden 1968 in den Diözesen Köln und Rottenburg geweiht, bereits drei Jahre nachdem das IDZ als kirchlich anerkannter Verein in Rom gegründet worden war. Weltweit gibt es derzeit über 36.000 Ständige Diakone in 130 Ländern, 98 Prozent von ihnen in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent. In Europa stieg ihre Zahl von 1991 bis 2011 von rund 5.000 auf 13.500. In den USA und Kanada verdoppelte sich diese Zahl im gleichen Zeitraum auf rund 26.000. Allein in Deutschland stieg die Zahl der Diakone von der Jahrtausendwende bis 2012 um ein Drittel auf 3.200.

Hinweis: Das Internationale Diakonatszentrum IDZ im Internet: http://diaconia-idz.org. Dort sind auch die 13 eingereichten Projekte vorgestellt.

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