Anbetung des Erlösers – als veränderte Menschen weiter gehen

In seiner Predigt in dem von Bischof Gebhard Fürst zelebrierten Festgottesdienst zum Fest der Erscheinung des Herrn, auch als „Fest der Heiligen Drei Könige“ geläufig, im St.-Martinus-Dom in Rottenburg führte Stroppel aus, wie sich um die drei biblischen Figuren und die mit ihnen verbundenen Symbole in der christlichen Tradition seit frühester Zeit zahlreiche Deutungen und Legenden gebildet haben und wie sie Gegenstand ungezählter künstlerischer Darstellungen geworden seien. Der Evangelist Matthäus, in dessen Evangelien von ihnen erzählt wird, habe aber auch auf viele Hinweise im Alten Testament Bezug genommen, die sich für ihn nun in der Geburt Jesu Christi erfüllt hätten.

Die drei „Magier aus dem Osten“, so Stroppel, hätten für den Evangelisten Matthäus wohl „die geistige Elite der Heidenwelt“ bedeutet, die nun in Jesus Christus den vor aller Welt erschienenen Erlöser anbeteten. Gegen ihr ganzes bisheriges Weltbild seien sie überzeugt worden, dass „der Aufgang des Königssterns nicht nach oben in weltlose Erhabenheit“ ziele. Auch verweise dieser Königsstern nicht in die Paläste der Machtzentren und lasse sich durch machtpolitische Intrigen weder erfassen noch verhindern. Vielmehr verweise er nach unten auf die Erde, „mitten in äußerlich bescheidene und begrenzte, armselige Verhältnisse“, betonte Prälat Stroppel. Darin bestehe seine bleibende Bedeutung: „Der Stern unserer Weihnachtsbotschaft hilft, der Erde treu zu bleiben, den Widrigkeiten, Kleinigkeiten und Schäbigkeiten unseres irdischen Alltags und den Menschen mitten darin, und der Macht der Liebe zu trauen.“ Der ewige Gott habe sich keinen anderen Ort erwählt, er wolle sich in einem Menschenkind im unscheinbaren Bethlehem bleibend mit den Menschen verbinden und ihnen nahe sein. Wie schon für die weisen Männer in der biblischen Erzählung bewirke die Anbetung Jesu Christi auch heute, „auf einem anderen Weg“ und als veränderte Menschen weiter zu gehen.

Dr. Thomas Broch