„Angst vor dem Abrutschen“

Als fatal für Menschen mit niedrigem Einkommen bezeichnete die in der Rottenburger Bistumsleitung für die Caritasarbeit verantwortliche Hauptabteilungsleiterin, dass in Baden-Württemberg die Landesmittel für Sozialwohnungen in den vergangenen zehn Jahren um 72 Prozent gekürzt worden seien. Bei der Umbenennung des seit sieben Jahren bestehenden Balinger Zentrums für Wohnungslose in JakobusHaus kritisierte sie am Freitag, dass vom verbleibenden Rest der Landesförderung 99 Prozent auf die Förderung von Eigentum entfielen.

Immer mehr Politiker, inzwischen auch in den Reihen der CDU, erkennen Stetter-Karp zufolge, dass bei der Versorgung bezahlbaren Wohnraums „wertvolle Zeit versäumt wurde“. Die Ordinariatsrätin wies auf eine nach ihrer Ansicht bessere Wohnungsförderung im Nachbarland Bayern hin. „Während in Baden-Württemberg 2007 noch rund 2,20 Euro pro Kopf für Sozialwohnungen aufgebracht wurden, brachte es Bayern auf den sechsfachen Betrag.“ Das immer drängender werdende Problem der gesellschaftlichen Spaltung in Arme und Reiche sei nach jahrelanger Verdrängung inzwischen auch im Landtag von Baden-Württemberg angekommen. „Jetzt, wo immer mehr Menschen auch in der Mittelschicht das Gefühl haben, dass sie abrutschen könnten, erhält die Armutsfrage langsam Aufmerksamkeit“, so Stetter-Karp. Sie versicherte, dass die Kirchen weiterhin „den Finger auf die Wunde legen werden“.

Mit der Umbenennung des Balinger Zentrums für Wohnungslose in JakobusHaus wird dieEinrichtung an den sogenanten Beuroner Jakobsweg angegliedert. Es wird damit auch Jakobspilgern vor allem als Begegnungs- und Stempelstelle zur Verfügung stehen. Nach den Worten der Hausleiterin Claudia Münz-Angst ist der Name des Apostels Jakobus, dessen Grab der Überlieferung nach in Santiago de Compostela liegt, bewusst gewählt. »Die Menschen, die zu uns kommen, sind unterwegs, suchen nach Halt, Perspektiven und Neuorientierung. Für diese Suche stehen der Apostel Jakobus und eben auch der Jakobsweg.“ Das JakobusHaus werde weiterhin Wohnungslosen Obdach und Hilfe bieten gewähren und darüber hinaus vor allem ein Ort der Begegnung sein.