„Anknüpfen bei dem, was der Mensch mitbringt“

Bei seinem Neujahrsempfang am Dreikönigstag (Sonntag) in Rottenburg stellte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart den vor 2.000 Jahren geborenen Apostel als „Modell für missionarische Verkündigung auf dem religiösen Markt“ vor. Paulus habe „bei dem angeknüpft, was der Mensch mitbringt, seine Kultur, seine Religiosität, Spiritualität“. In der Überzeugung, dass viele Menschen nach Sinn, Orientierung und einer religiösen Dimension suchen, sei er fest davon überzeugt gewesen, dass er den Athenern das Geheimnis des ihnen unbekannten Gottes Christi entschlüsseln könne. Die berühmte in der Apostelgeschichte dokumentierte Rede des Paulus auf dem Athener Areopag, also dort, wo es um die Sorge für das Gemeinwohl der Stadt im umfassenden Sinn ging, habe zwar keine Massenbekehrungen bewirkt, aber doch einige zur Umkehr und zur Hinwendung zu Christus bewegt, so Bischof Fürst. Heute gelte es, von Paulus’ „Areopag-Methode“ zu lernen und im Anschluss an das Nikodemusgespräch aus dem Johannesevangelium darüber „zu reden, wovon wir überzeugt sind und zu bezeugen, was wir erfahren haben“. Papst Benedikt XVI. wird das Jahr 2008 zum Paulusjahr ausrufen.

Bischof Fürst hob hervor, dass es in der Diözese, ihren Gemeinden, Gruppen und Verbänden eindrucksvolles missionarisches Engagement gebe. Als ein Beispiel nannte er die Sternsinger, deren Bewegung vor 50 Jahren ins Leben gerufen wurde. Das Dreikönigssingen sei „gesungene Glaubensverkündigung“, betonte der Bischof. Durch das Singen, Beten und Spendensammeln in den Häusern würden viele Kinder weltweit gerettet und geheilt. So geschehe durch Sternsinger heute, was durch Christus selbst geschehen sei. Kinder und Jugendliche, hob Bischof Fürst hervor, seien besonders ansprechbar für religiöses Leben und neugierig darauf. Bei der Jugendwallfahrt der Diözese im vergangenen Jahr unter dem Leitwort „Gottes Ruf auf der Spur“ mit mehr als 500 jungen Leuten habe er persönlich als ermutigend erlebt, dass Jugendliche Freude am Glauben haben.

Sein Eindruck, so der Bischof, werde durch die Bertelsmann-Studie von Dezember 2007 bestätigt, wonach 52 Prozent der 18- bis 29-Jährigen religiöse und 14 Prozent hochreligiöse Menschen sind. Die Studie zeige, „dass Religiosität als Anknüpfungspunkt für die Verkündigung der christlichen Religion von größter Bedeutung ist“. Der Kirche müsse es darum gehen, die bei vielen Menschen vorhandene Religiosität wahrzunehmen und ihr aus christlichem Geist eine Kultur anzubieten, „so dass – verkürzt gesagt - aus der ‚vagabundierenden Religiosität’ christliche Religion werden kann“.

Bischof Fürst kündigte an, im März mit den Dekanen der im Rahmen von Strukturreformen auf 25 reduzierten Dekanate eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu unternehmen. Er erhoffe sich von dieser Reise zu den „zentralen heiligen Stätten unserer Offenbarungsreligion“ Impulse für sich und die Dekane als kirchliche Führungskräfte und als Geistliche.