Annäherung an den Völkerapostel

Das Gedenkjahr, das der Papst am Samstagabend in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern für die ganze Welt eröffnen wird, soll an den vor rund 2.000 Jahren in der damaligen römischen Provinzhauptstadt und heute türkischen Stadt Tarsus geborenen Apostel Paulus erinnern. Durch dessen Reisen und die Auseinandersetzung mit der griechischen Denkwelt konnte das Christentum zur Weltreligion werden. Am Sonntag wird in der katholischen Kirche weltweit das Fest Peter und Paul (29. Juni) gefeiert.

Im Rahmen des Paulusjahres organisieren mehrere Dekanate und Gemeinden in der Diözese Vorträge, Lesungen, Paulus-Gottesdienste und kunsthistorische Führungen. In Esslingen, wo außer dem Münster auch Dekan Hildebrand und sein Stellvertreter Magino nach dem Völkerapostel benannt sind, lädt die Münstergemeinde dazu ein, die 1964 von Wilhelm Geyer installierten Chorfenster zu studieren. Sie sind nach theologischen Grundgedanken der Paulusbriefe gestaltet.

Auch in Calw-Hirsau sind die Katholiken Paulus eng verbunden. Das Kloster Hirsau heißt Peter und Paul. Zum Programm dort gehört neben einer Bibelwoche zum Galaterbrief und einer Lesung mit dem Paulus-Biografen Alois Prinz („Der erste Christ“) ein Vortrag des Ökonomen Nils Goldschmidt „Sind Markt, Wettbewerb und Gewinn unmoralisch?“. Goldschmidt fragt auf Basis der Forderung aus dem ersten Timotheusbrief „Ermahne die, die in dieser Welt reich sind“ (1 Tim 6,17). Besonders grüßt das Dekanat Calw alle Trägern des Namens Paul. Ob Paul, Pavel, Paula oder Pavla, alle erhalten zum Namenstag eine Grußkarte mit Wissenswertem über den Völkerapostel, zusammengestellt von Dekanatsreferent Christoph Schmitt.

Am Bodensee nähern sich die Gemeinden mit vielerlei Mitteln Paulus an. Ehrenamtliche Lektoren werden im Dekanat Friedrichshafen während des Paulusjahres unter dem Motto „Paulus entdecken“ geschult, auf Geistlichen Tagen geht es um Paulus und die Drei Göttlichen Tugenden oder Paulus als Mensch, Theologe und Gemeindegründer. Infos über Paulus gibt es zudem in einer zehnteiligen Reihe des Kirchenanzeigers und in einem von Dekanatsreferentin Christa Hecht-Fluhr erstellten Power-Point-Vortrag „Paulus – Portrait eines außergewöhnlichen Menschen und Theologen“.

In Stuttgart feiern die Katholiken den Beginn des Paulusjahres am Sonntag zusammen mit der evangelischen Paulusgemeinde. In mehreren Gemeinden finden während des Jahres Themen- Gottesdienste und Vorträge statt, auch ein Film „Paulus in Griechenland“ macht mit dem Apostel vertraut. Konfessionen verbindend eröffnet wird das Paulusjahr am Freitag im Dekanat Ostalb: In Aalen startet es im Ökumenischen Gemeindezentrum mit einem Vortrag des Tübinger Theologen Wilfried Eisele „Paulus und die Ökumene“. Er und der Direktor des Katholischen Bibelwerks, Franz-Josef Ortkemper, halten während des Gedenkjahres mehrere Vorträge. Für die Pfingstferien 2009 organisiert Dekanatsreferentin Hildegard Seibold eine Paulusreise, so wie auch Diakone der Diözese aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des Ständigen Diakonats eine Reise auf den Spuren des Apostels in die Türkei unternehmen. Räumlich weniger weit führt ein vom Ulm-Ehinger Dekanatsreferenten Wolfgang Steffel geplanter spiritueller Wandertag „Mit Rucksack und Bibel“. Die Wanderer sollen unterwegs an dem Wort aus dem Galaterbrief orientieren „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“