Antwort auf religiöse Vielfalt

Das auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder entdeckte Amt biete für die Kirche die Chance, das Evangelium inmitten ganz unterschiedlicher kultureller, sozialer und religiöser Kontexte zu vermitteln, ließ der Kardinal am Freitag in Wien in einer Botschaft mitteilen. Er hätte dort auf einem am Sonntag endenden dreitägigen internationalen Kongress mit 200 Ständigen Diakonen sprechen sollen, der von dem in Rottenburg am Neckar ansässigen Internationalen Diakonatszentrum organisiert wurde. Gracias musste aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Am Beispiel Indiens, „dem weltweit wohl komplexesten Volk mit einem schier unvorstellbaren Pluralismus, mit Gegensätzen, häufigen Konflikten und Gegensätzen auf allen Ebenen“, machte der Kardinal deutlich, dass die Verkündigung des christlichen Glaubens nur im offenen Dialog gelingen könne. In Indien lebten Menschen aus sechs verschiedenen Rassen; sie gehörten dem Buddhismus an, dem Christentum, dem Hinduismus, dem Islam, der Sikh- und der Zarathustra-Religion. Diese Wirklichkeit erfordere eine Theologie des religiösen Pluralismus. „dabei müssen wir einerseits dem Evangelium treu bleiben und andererseits uns anstrengen, die Standpunkte der Menschen anderer Glaubensrichtungen zu verstehen“, betonte der Erzbischof. Er berief sich dabei auf das Wort Gottes selbst: „Es ist nicht in ein Vakuum gekommen; seine Verkündigung muss in die Kulturen eingepflanzt werden, wenn sie wirkungsvoll sein soll.“

Vor diesem Hintergrund sprach sich Gracias für eine Stärkung des Amtes des Ständigen Diakons aus. Diakone könnten sich in der Gesellschaft in ihrem vertrauten Umfeld bestimmter Zielgruppen annehmen, was Bischöfen und Priestern in dieser Weise nicht möglich sei. Es gehe darum in der christlichen Mission Altar und Welt zusammenzubringen. Die Kirche könne es sich nicht erlauben, „dass der Altar außerhalb der realen Welt bleibt oder dass soziale Dienste nur noch weltlichen Konzernen überlassen bleiben. Diakone als Anwälte der Armen und Schwachen könnten der Kirche mit Blick auf deren heutige Belange und Bedürfnisse dienen. Dies schließe ein, dass das Amt des Diakons als vollgültiges und gleichwertiges Amt der Kirche mit einem für heutige Herausforderungen ausgestatteten Profil gestärkt werde.

In seiner Diözese seien als erster in Indien überhaupt, 2006 die ersten beiden Ständigen Diakone geweiht worden, so Kardinal Gracias. Am 4. April werden in Bombay weitere acht Männer zu diesem Amt ordiniert.