Appell gegen „unterschwelligen Nihilismus“

Diesen Appell formulierte Kurienkardinal Walter Kasper am Samstagabend im Rottenburger Dom, wo er aus Anlass seines 50-jährigen Priesterjubiläums gemeinsam mit dem Rottenburger Bischof Gebhard Fürst und dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch einen Festgottesdienst feierte.

Man könne „angesichts der wahrlich nicht rosigen Situation des Glaubens in unserem Land keiner naiver Optimist“ sein, betonte Kasper. Aber als Christ könne man auch kein Pessimist sein. Der Osterglaube bedeute, dass mit Jesus Christus „der neue Anfang unumstößlich gesetzt“ sei. „Nicht der Hass und die Gewalt, auch nicht die heute so grassierende Gleichgültigkeit werden siegen, sondern die Wahrheit und die Liebe“, sagte der Kardinal. Zeichen dafür seien ungezählte aus ihrem Glauben heraus engagierte Menschen, von denen „normalerweise nichts in der Zeitung“ stehe. Das begründe eine Hoffnung, unterstrich Kardinal Kasper, die „dem heutigen gängigen Defaitismus“ widerspreche. Sie stehe im Gegensatz zu „jenem unterschwelligen Nihilismus, der sich breit macht und in den Seelen einnistet und meint: es hat doch alles keinen Sinn.“ Das Gute, davon ist Kasper überzeugt, „und sei es noch so unscheinbar, ist nie umsonst“.

In einer persönlichen Reflexion über seinen Berufsweg als Priester führte der Jubilar aus, Priestersein bedeute „in Freundschaft mit Jesus zu leben und zu wirken“. Es heiße aber auch, ein „guter Hirte“ zu sein, „kein Gemeinde-Manager, kein Seelsorgeeinheits-Manager, auch kein Freizeitunterhalter“. Hirt zu sein, betonte Kasper, heiße einen Weg zu zeigen. „Bei der heutigen Desorientierung und Orientierungslosigkeit vieler brauchen wir nichts nötiger als Hirten mit Klarheit und Wahrheit“, forderte der Kardinal. Der Hirte müsse aber auch „über den eigenen Pferch hinaus schauen: zu den anderen Christen, in die Welt, wo es so viel Armut und Elend gibt, in die Welt der Kultur und des Geistes“.

Kasper wies in seinem Rückblick auch auf Persönlichkeiten hin, die ihn motiviert und geprägt hätten. „Priester, die etwas ausstrahlen von der Freude Priester zu sein“, seien die beste Werbung, eine „Berufungspastoral, die durch nichts zu ersetzen“, sagte Kardinal Kasper.

Walter Kasper, geboren 1933 in Heidenheim/Brenz, wurde am 6. April 1957 in Rottenburg zum Priester geweiht. Von 1964 bis 1970 war er Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, 1970 wechselte er in gleicher Funktion an die Universität Tübingen. Von 1989 bis 1999 wurde er als Nachfolger von Dr. Georg Moser zehnter Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. 1999 wurde er von Papst Johannes Paul II. als Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen nach Rom berufen, im Jahr 2001 wurde er zum Kardinal ernannt und rückte gleichzeitig als Sekretär an die Spitze des „Einheitsrates“ auf.