Appell zu mehr kirchlicher Einmischung

Der alle vier Jahre stattfindende IDZ-Kongress „Diakonische Spiritualität“ endete mit einer von Kardinal Schönborn geleiteten Messe. Der Kongress wurde von dem in Rottenburg ansässigen Sekretariat des IDZ organisiert. Protektor des Zentrums, dem weltweit rund 800 Mitglieder angehören, ist Bischof Gebhard Fürst.

Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart ermutigte die Diakone zum tatkräftigen Dienst für Arme und Notleidende. In der tätigen Liebe gerade zu den so genannten Verlorenen werde die Kirche glaubwürdig, Dieser Dienst könne kraftvoll nur aus einer tiefen und vitalen Spiritualität wachsen. Wie in der Frühzeit der Kirche würden dann die Menschen fragen: „Was sind denn das für Leute; woher nehmen sie die Kraft, so zu leben?“ Bischof Fürst hatte seinen Vortrag überschrieben „Wie und wovon werden Diakone morgen geistlich leben?“.

Als Basis für eine vitale geistliche Grundhaltung der Diakone nannte der Bischof ein Leben in Gemeinschaft mit anderen Christen, das Lesen der heiligen Schriften, das Gebet und die Eucharistie. Diakon zu sein bedeute, „in der Spur Jesu die Opfer am Wegesrand nicht zu übersehen, sie vielmehr zu bergen, Herberge zu schaffen und für Heilung zu sorgen“. Mit der Weihe weise die Kirche Diakonen einen besonderen Auftrag zu, im Dienen Christus nachzufolgen, „dem Dienen wesentlich geworden ist“.

Als Gastredner betonte der Erzbischof der südafrikanischen Diözese Durban, Kardinal Wilfrid Fox Napier, die Kirche in Afrika und Lateinamerika brauche dringend mehr Diakone. Sie sollten in erster Linie diejenigen sein, die den Dienst der Caritas, den Dienst an den Armen und die Verkündigung der sozialen Botschaft der Kirche konkretisieren. Eine wichtige Aufgabe der Diakone sei es, dem Volk einen tieferen Zugang zur christlichen Lehre zu erschließen. Beim Wirken nach außen gehe es um den sozialen Dienst, immer mehr aber auch um eine Auslegung der kirchlichen Position zu politischen Fragen, was man früher immer den Bischöfen überlassen habe.
In einer Botschaft an den Kongress betonte der erkrankte Erzbischof von Bombay, Kardinal Oswald Gracias, das auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder entdeckte Amt des Diakons biete für die Kirche die Chance, das Evangelium inmitten ganz unterschiedlicher kultureller, sozialer und religiöser Kontexte zu vermitteln. Am Beispiel Indiens, „dem weltweit wohl komplexesten Volk mit einem schier unvorstellbaren Pluralismus, mit Gegensätzen, häufigen Konflikten und Gegensätzen auf allen Ebenen“, machte der Kardinal deutlich, dass die Verkündigung des christlichen Glaubens nur im offenen Dialog gelingen könne. Er berief sich dabei auf das Wort Gottes selbst: „Es ist nicht in ein Vakuum gekommen; seine Verkündigung muss in die Kulturen eingepflanzt werden, wenn sie wirkungsvoll sein soll.“
Vor diesem Hintergrund sprach sich Gracias für eine Stärkung des Diakonen-
amtes aus. Diakone könnten sich in der Gesellschaft in ihrem vertrauten Umfeld bestimmter Zielgruppen annehmen, was Bischöfen und Priestern in dieser Weise nicht möglich sei. In seiner Diözese, so der Kardinal, seien als erster in Indien überhaupt 2006 die ersten beiden Ständigen Diakone geweiht worden, so Kardinal Gracias. Am 4. April würden in Bombay weitere acht Männer zu diesem Amt ordiniert.
Weltweit gibt es derzeit mehr als 36.000 ständige Diakone in 130 Ländern, wobei 98 Prozent von ihnen derzeit in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent leben. Das IDZ wurde im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet nach einer Studienkonferenz zum Diakonat 1965 in Rom. 1968 erhielten in Köln und Rottenburg die ersten verheirateten Männer ihre Weihe zum Diakon. Damit wurde dieses über Jahrhunderte vergessene alte kirchliche Amt revitalisiert und die dreifache Einheit der Ämter Bischof, Priester und Diakon wieder hergestellt.
Alle vier Jahre treffen sich die IDZ-Mitglieder zu ihrer Vollversammlung. Der Vorstand besteht aus dem Präsidenten, zwei Stellvertretern, einer Ehefrau eines Diakons und dem Geschäftsführer. Zu Stellvertretern des neuen Präsidenten Kießling, der den Niederländer Rob Mascini ablöste, wurden gewählt Jose Espinos (Argentinien), Bert Cambre (Kanada); weiteres Vorstandsmitglied ist außer Geschäftsführer Erik Thouet die Soziologin Nelleke Wijngaards Serrarens (Niederlande).