Arbeit an einer zukunftsfähigen Kirche

Dies hat Bischof Gebhard Fürst in der Rottenburger Festhalle vor rund 580 Kirchenpflegerinnen und Kirchenpflegern sowie Leitungskräften der Verwaltungsaktuariate und –zentren betont, die am Donnerstag der Einladung zu einem Begegnungstag gefolgt waren. Nach fast 25 Jahren sei es „höchste Zeit“ für einen solchen Tag, konstatierte der Bischof und drückte den Finanzfachleuten seiner Diözese „hohen Respekt und uneingeschränkte Wertschätzung für ihre unverzichtbare Aufgabe in der Kirche“ aus.

Gegen Entsolidarisierung, Anonymität und Verlust an Personalität in der Gesellschaft müssten positive Gegenkräfte mobilisiert werden, sagte der Bischof. Die Kirche entfalte dabei eine starke integrative Kraft, die die Gesellschaft zusammenhalte. Dies werde nicht zuletzt an den zahllosen ehrenamtlich engagierten Christen deutlich. Allerdings sei seit einigen Jahrzehnten ein Abbruch religiöser Traditionen in beiden Konfessionen zu beobachten, betonte Bischof Fürst. Dies sei ein Faktum, obwohl die Bedeutung der Kirchen auch nicht „klein geredet“ werden dürfe, die in Deutschland mit 26,2 Millionen Katholiken und etwa gleich viel evangelischen Christen über 60 Prozent der 82,5 Millionen Deutschen ausmachten.

Die katholische Kirche in Deutschland, so der Bischof, befinde sich in einer „Übergangssituation zu einer neuen Form von Kirchesein“, die als „Weg zu einer missionarischen Kirche im Volk“ gesehen werden müsse. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart habe diese Herausforderung in den letzten Jahren angenommen und in einem breit angelegten Beratungs- und Konsultationsprozess sowohl die Prioritäten für die kommenden Jahre festgelegt als auch definiert, was künftig als „Posterioritäten“ zurückstehen muss. „Zeichen setzen in der Zeit“, unter diesem Leitwort wurden die künftigen Schwerpunktsetzungen formuliert; „Heute für morgen das Nötige tun“ fasst die zurückgestuften Aktivitäten zusammen. Auf diese Weise solle „die katholische Kirche von Württemberg“ in heutigen „missionarischen Zeitsituation für ihren Heilsdienst an den Menschen zukunftsfähig“ gemacht werden.

Die Kirchenpfleger seien von diesen Prozessen unmittelbar berührt, sagte Bischof Fürst. Denn der Weg der Kirche in die Zukunft müsse die wirtschaftlichen und strukturellen Faktoren „für die einzelnen Schritte und Gangarten der Pastoral vor Ort“ berücksichtigen, wolle er „nicht weltfremd und naiv wirken“. Besonders hob Bischof Gebhard Fürst die fast abgeschlossene Bildung der Verwaltungszentren und größerer Verwaltungseinheiten hervor, die die unabdingbare höhere Spezialisierung und eine verstärkte Hilfestellung für die Kirchenpfleger in den Gemeinden möglich machten. Auch die Tätigkeit der nebenberuflichen Kirchenpflege sei nach vor wichtig. Sie würden, so der Bischof, zunehmend mehr zur Ansprechpartnern und Beratern in den Kirchengemeinden. Bedacht werden müssten auch „Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit und der Langfristigkeit“, damit „keine Finanzpolitik mit unvertretbaren Lasten für künftige Generationen gemacht“ werde.

Der Bischof betonte die zunehmenden Belastungen gerade der nebenberuflichen Kirchpflegerinnen und Kirchenpfleger durch viele gesetzliche Änderungen sowie durch ständig beschleunigte Verfahren auf Grund der datentechnischen Entwicklungen. Auch sei es „gewiss oft schwierig“, dies „in Einklang zu bringen mit familiären und sonstigen Verpflichtungen“. Um so mehr sei es zu würdigen, dass die nebenberuflichen Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger mit ihren sehr unterschiedlichen Hauptberufen auf Grund ihres Erfahrungswissens „eine große Bereicherung der Kirche vor Ort“ darstellten, „auf die wir nicht verzichten können und wollen“, sagte Bischof Fürst.