Armut: ein Indiz für eine bedrückende soziale Schieflage

. 1,5 Millionen Menschen, also rund 15 Prozent der Bevölkerung des Südweststaats, leben nach Aussage der Leiterin des Statistischen Landesamts, Gisela Meister-Scheufelen, in relativer Armut. Das bedeutet, sie verfügen über weniger als 895 Euro monatlich, also über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Netto-pro-Kopf-Einkommens im Land. Besonders beklagenswert sei es, so der Bischof, dass knapp 300.000 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, also rund 16 Prozent dieser Altersgruppe, armutsgefährdet seien. Dies werfe einen dunklen Schatten auf die Lebensumstände vieler Familien und allein Erziehender und ihrer Kinder. "Es ist nicht hinzunehmen, dass Kinder ohne Schulbücher und Lernmittel zur Schule gehen müssen oder dass sie nicht an der Verpflegung in Ganztagseinrichtungen teilnehmen können, weil die Eltern dies nicht bezahlen können", so Bischof Fürst. "Mit welcher Hypothek wachsen so viele der jungen Menschen auf, von denen wir immer sagen, sie seien unsere Zukunft?"

Es sei dankenswert, betonte der Bischof, dass diese Zahlen erstmals für Baden-Württemberg erhoben und veröffentlicht worden seien. Diese aussagekräftige Datengrundlage mache einen dringenden Handlungsbedarf für die Sozialpolitik deutlich. "Die Zukunft von Kindern, von Jugendlichen und von Familien darf nicht nur Gegenstand von Sonntagsreden sein, sie ist die Bewährungsprobe des sozialpolitischen Alltags." Die Diözese Rottenburg-Stuttgart und ihre Caritas leisteten ebenso wie die anderen Kirchen im Land durch Fonds, Stiftungen, durch Bildungs- und Qualifizierungsangebote sowie durch ein breit gefächertes Netz von Beratungs- und Hilfeeinrichtungen einen überproportionalen Beitrag zur Linderung akuter sozialer Notlagen. Auch verdienten Solidaritätsnetzwerke und das persönliche soziale Engagement zahlreicher Menschen höchste Anerkennung. "Aber es ist eine problematische Entwicklung, wenn immer mehr an kirchliches und bürgerschaftliches Engagement appelliert wird, während gleichzeitig die öffentlichen Mittel immer mehr gekürzt werden und der Staat sich aus der Verantwortung für die Menschen zurückzieht, die am meisten auf Unterstützung angewiesen sind", sagte Bischof Fürst.