Auf der Suche nach religiösen Inhalten

Jugendliche bräuchten eigene Bilder, Symbole und Rituale, um ihre religiösen Gedanken und Empfindungen auszudrücken, stellten die Initiatoren zum Abschluss eines dreijährigen Projekts „In Hülle und Fülle“ am Donnerstag in Stuttgart fest. Sie forderten eine konsequentere „religionssensible Erziehung“ in Jugendheimen. Das Projekt habe klar belegt, dass religiöse Angebote Jugendlichen bei der Alltagsbewältigung helfen und sie in ihrer Identität stärken.

„Eine gute Erziehung kommt nach meiner festen Überzeugung an religiösen Inhalten nicht vorbei“, betonte der Pädagogikprofessor Martin Lechner, der an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern lehrt und dessen Lehrstuhl das Projekt wissenschaftlich begleitete. Lechners Team analysierte die Aussagen von rund 500 Jugendlichen in 17 Einrichtungen und legte einen Forschungsbericht vor. Jungen Leuten religiöse Angebote zu machen, habe weder mit Konfessionalisierung noch Fremdbestimmung zu tun, betonte Lechner, sondern „mit der Sorge um die Subjektwerdung junger Menschen und mit der Sorge um heile und heilende Lebensverhältnisse“ in Hülle und Fülle. Erziehung solle religionssensibel erfolgen; das Bedürfnis nach religiösen Inhalten und Angeboten sei bei konfessionell gebundenen und bei nicht gebundenen vorhanden. „Junge Menschen sind keineswegs religiös unmusikalisch, aber sie sind vielfach in religiöser Hinsicht sprachlos“, sagte Lechner. Sie bräuchten Hilfe und Begleitung.

Projektleiter Martin Schwer bestätigte „Neugier, Interesse und Wertschätzung“ junger Menschen an religiösen Inhalten. Dieses Interesse zeige sich freilich auf je eigene, „unbürgerliche“ Weise. Als Beispiel nannte Schwer Ergebnisse einer Foto-Aktion im Rahmen des Projekts. Die Jugendlichen sollten mit einer Kamera Fotos machen von Dingen die ihr Leben existenziell betreffen. Ein Jugendlicher hatte einen Mülleimer fotografiert. Der Eimer stehe „für all den Müll, den ich bisher in meinem Leben produziert habe“. Nach den Worten des Projektleiters bedarf es nach einer solchen Aussage nur weniger weiterer Worte, um zu Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach menschlichen Werten und den letzten Dingen zu kommen.

Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp von der Diözese Rottenburg-Stuttgart dankte den Initiatoren des Projekts, den wissenschaftlichen Begleitern und den Erzieherinnen und Erziehern in der Jugendhilfe, die junge Leute auf deren nicht einfachem Weg“ nicht im Regen stehen lassen“. Das Projekt „In Hülle und Fülle“ wurde von der AG der Dienste und Einrichtungen der Erziehungshilfe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart (AGE) initiiert und von dem gemeinsam von AGE und Diözese getragenen Strukturhilfefonds der Diözese finanziert.