„Auf hohes Niveau geführt“

Der Musikprofessor brachte in dieser Zeit als Leiter der Domsingschule den seit 1828 bestehenden Domchor und die vor 40 Jahren gegründete Mädchenkantorei auf ein hohes musikalisches Niveau. National und international gewann vor allem die Mädchenkantorei großes Ansehen; in mehreren Einspielungen sind ihre Leistungen dokumentiert. 1995 rief Leenen die Internationalen Festtage der geistlichen Chormusik ins Leben, zu denen bis zuletzt alle drei Jahre Ensembles aus aller Welt nach Rottenburg kamen. Leenens Nachfolge als Domkapellmeister tritt Christian Schmitt (42) an, bisher Bezirkskantor in Villingen- Schwenningen in der Erzdiözese Freiburg.

Der in Westfalen geborene Leenen studierte in Freiburg Schul- und Kirchenmusik und schloss sein Studium, in dem er sich auf Chorleitung und Dirigieren spezialisiert hatte, mit dem A-Diplom ab. Mehrere Jahre arbeitete er als Kantor und Dozent in der Erzdiözese Freiburg. Von 1981 an leitete er fast 10 Jahre den Freiburger Motettenchor. 1982 übernahm Leenen einen Lehrauftrag für Chorleitung an der Musikhochschule Karlsruhe, den er bis heute innehat. Nach seiner Berufung 1990 zum Domkapellmeister in Rottenburg baute der Professor die Domsingschule mit über 500 Chormitgliedern zur bundesweit größten Einrichtung ihrer Art auf.

Bischof Gebhard Fürst würdigte den scheidenden Domkapellmeister als herausragenden Musiker, Dirigenten und Pädagogen und dankte ihm für dessen große Verdienste um die Kirchenmusik. Leenen habe die Klangkörper am Dom zielstrebig weiterentwickelt, kreative Ansätze verfolgt und ein breites musikalisches Spektrum geschaffen. Der für die Kirchenmusik in der Diözese zuständige Weihbischof Johannes Kreidler bescheinigte dem Chorleiter, dieser habe dazu beigetragen, dass der Domchor die Gottesdienste nicht nur musikalisch begleite, sondern dass die Musik durch diesen Klangkörper eine eigene Form von Verkündigung und Liturgie darstelle. Die Mädchenkantorei habe Leenen so qualifiziert, dass sie Chormusik auf hohem Niveau darbieten könne, und dies mit spürbarer Freude am Singen und an der Musik. Auch Dompfarrer Harald Kiebler lobte den scheidenden Kapellmeister für dessen hervorragende Leistungen. Die Zusammenarbeit zwischen Pfarrer und Musiker sei ein motivierendes Miteinander gewesen mit dem Ziel, Liturgie als Gesamtkunstwerk zu feiern.

Uwe Renz