Aufklärung und Prävention müssen parallel geschehen

Rottenburg. 27. Januar 2015. Fünf Jahre nach der Aufdeckung von Fällen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen in der katholischen Kirche hat Monika Stolz der Diözese Rottenburg-Stuttgart „große Sorgfalt und Aufklärungswillen“ bescheinigt. Die CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der „Kommission sexueller Missbrauch (KsM)“ in der Diözese sieht den eingeleiteten Perspektivwechsel in der katholischen Kirche als „richtig und notwendig“ an.

„Wir müssen beständig aufmerksam sein“, sagt die ehemalige Landessozialministerin. Sie bezeichnet die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und die gleichzeitige Präventionsarbeit in der Diözese auf diesem Gebiet als „den richtigen Weg“. Das eine könne nicht ohne das andere geschehen, sagt Stolz. So könnten Geschehnisse wie in der Vergangenheit am ehesten vermieden werden. Was Stolz in ihrer knapp einjährigen Amtszeit als Vorsitzende der KsM erfahren habe, schmerze sie zutiefst: „Jeder Fall von Missbrauch ist und bleibt ein unbeschreibliches Drama für den Betroffenen“.

Seit 1945 sind in der Diözese Rottenburg-Stuttgart insgesamt 169 (mutmaßliche) Opfer sexuellen Missbrauchs bekannt. Zu den 126 Beschuldigten gehören 81 Priester und Diakone im Dienst der Diözese; mutmaßlich 41 von ihnen sind bereits verstorben.

Derzeit liegen der KsM 96 Anträge auf finanzielle Anerkennung des Leidens vor. Eine Auszahlung erfolgte bislang in 83 Fällen. Die Anerkennungszahlungen beliefen sich bis 31.Dezember 2014 auf insgesamt 439.000 Euro.

Manuela Pfann

  • Daten und Fakten zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart