„Aufstehen für das Leben: das ist der Anspruch von Ostern“

Die tödlichen Mächte, die Menschen in Gefangenschaft schlagen, haben nicht mehr das letzte Wort. Das letzte Wort hat der offene Himmel, eine unendliche Lebensfülle, vor der Worte und Gedanken versagen und von der allenfalls Bilder eine Ahnung vermitteln.

Der österliche Glaube an den auferstandenen Jesus Christus und an den befreienden Gott des Lebens bleibt aber ein Lippenbekenntnis, wenn er uns nicht dazu führt, entschieden und eindeutig für ein Leben der Menschen in Freiheit und Würde einzutreten. Aufstehen für das Leben: das ist der Anspruch der Osterbotschaft an unsere Verantwortung als Christen. Geglücktes Leben ist nicht teilbar. Es bleibt unvollständig, wenn Menschen wegen einer Behinderung keine Teilhabe daran geschenkt oder ihnen dieses Leben von vorneherein verweigert wird. Es bleibt unehrlich, wenn es nicht auch für diejenigen Platz hat, deren Chancen durch soziale Benachteiligung eingeschränkt sind, und wenn es denen die Achtung vor ihrer Menschenwürde verweigert, die psychisch oder demenziell erkrankt sind. Die Ernsthaftigkeit des Osterglaubens erweist sich im Ringen um eine Gesellschaft, in denen nicht die Maßstäbe der Ökonomie, sondern diejenigen der Humanität an erster Stelle stehen. Das gilt im eigenen Land und ebenso über die Grenzen hinweg. Ein Wirtschaftswachstum, zu dessen Faktoren der Export von Kriegswaffen gehört, die anderen Menschen Tod und Verderben bringen, muss unseren entschiedenen Widerspruch hervorrufen. Die Sicherheit und Freiheit in einer demokratischen Gesellschaftsordnung kann uns nicht gleichgültig dafür sein lassen, dass das Ringen anderer Völker um ein Leben in Selbstbestimmung und Freiheit mit mörderischer Gewalt beantwortet wird.

An den auferstandenen Jesus Christus und an den befreienden Gott des Lebens zu glauben, heißt für die Kirche, immer wieder mutig den Aufbruch in die Zukunft zu wagen und darauf zu vertrauen, dass uns in der stets offenen und unverfügbaren Zukunft der kommende Gott begegnen will. Suchen wir die Zukunft nicht in der Vergangenheit und nicht den Lebenden bei den Toten. Beschränken wir das Befreiende des Aufbruchs auch nicht darauf, anstatt alter Strukturen neue Strukturen zu etablieren. Der Weg des Dialogs und der Erneuerung, um den wir ringen, muss zuerst und zuletzt von dem Ziel geleitet sein, dass unsere Kirche „Zeichen des Heils“ für die Menschen sein kann – glaubwürdige Botschafterin für ein befreites, geglücktes, sinnerfülltes Leben. Nicht aus eigener Machtvollkommenheit vermögen wir dies, sondern in der Kraft des Glaubens an den auferstandenen Jesus Christus und an den Gott, der die Macht hat, den Tod in Leben aufzubrechen.