Aus dem Kreislauf von Bildungsarmut und materieller Armut herauskommen

Dies hat Bischof Gebhard Fürst kurz vor seinem Abflug aus Indien in einer auf Video aufgezeichneten Stellungnahme für das Internet betont. Die indische Gesellschaft lebe stark aus der Religion und beziehe auch ihre Aufbruchstimmung aus der Kraft der Religion. Andererseits habe er auch eine starke Lethargie und einen weit verbreiteten Mangel an Schulbildung in den sozialen Schichten an den unteren Rändern erlebt, betonte Bischof Fürst. „Bildungsarmut und materielle Armut hängen zusammen“, so der Bischof. „Ohne Bildung funktioniert keine Gesellschaft. Das ist in Indien so, und das ist in Deutschland so.“

Bereits auf der Fahrt vom Flughafen in Mumbai ins erste Quartier der Reise seien ihm die Menschen aufgefallen, die ohne jede Habe nachts auf der Straße schliefen. Die Spannung dieses Landes reiche von weit entwickelter Hochtechnologie und internationalen Verbindungen in Industrie und Wirtschaft auf der einen Seite bis zu absoluter Armut und unbeschreiblicher Verelendung auf der anderen Seite. So sei er froh darüber, in Indien auch eine Kirche erlebt zu haben, die auf der Seite der Armen stehe und sich für deren Rechte und deren Menschenwürde einsetze. Er habe selbst gesehen, wie sich Priester und Ordensfrauen mit an die Spitze von Protestbewegungen gesetzt hätten, als Fischer sich gegen die Vertreibung aus ihren angestammten Dörfern gewehrt hätten, um einem Vergnügungspark Platz zu machen. Mit großer Dankbarkeit habe er auch die vielfältigen Bemühungen der Kirche im Bildungsbereich wahrgenommen. „In vielen ausgezeichneten Colleges werden Kinder und Jugendliche für das Leben fit gemacht“, sagte Bischof Fürst. Dabei würde nicht nur eine exzellente Wissensbasis geschaffen, sondern den jungen Menschen würden auch ethische Maßstäbe vermittelt, die sie zur Verantwortung in einer dynamisch sich entwickelnden Gesellschaft befähigten.

Besondere Beachtung verdient nach den Worten von Bischof Fürst auch das Zentrum für erneuerbare Energien „MITHRADHAM“ in Kerala, eine „kleine Umweltakademie“, die durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart von Anfang an unterstützt worden sei. MITHRADHAM, so Bischof Fürst, sei dabei, sich zu einem Beispielprojekt für nachhaltiges und umweltbewusstes Handeln für ganz Indien und darüber hinaus für den asiatischen Raum zu entwickeln. Für die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die große Anstrengungen unternehme, ihren Anspruch einer schöpfungsfreundlichen Kirche in konkrete Maßnahmen umzusetzen, sei das Zentrum in Kerala von großem Interesse.

Einzelberichte, Fotos und Videos zur Pastoralreise von Bischof Dr. Gebhard Fürst in Indien s. unter www.drs.de

Dr. Thomas Broch