Ausbildung für eine hohe Kunst

Am ersten Adventssonntag 1997 hatte der damalige Bischof Walter Kasper die frühere Kirchenmusikschule in den Rang einer Hochschule erhoben. Die endgültige Approbation als „Institutum Superius Musicae Sacrae“ durch die vatikanische Bildungskongregation erfolgte nun zum Zeitpunkt der Zehnjahresfeier.

Weihbischof Kreidler, der in Diözesanleitung unter anderem für Kirchenmusik und Liturgie zuständig ist, beglückwünschte die Hochschule auch im Namen von Bischof Gebhard Fürst und dankte dem Leiter, Professor Bernhard Schmid und den Lehrkräften und Mitarbeitenden für ihr Wirken, durch das die Hochschule weit über die Diözesangrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf genieße.

Kreidler betonte den Zusammenhang der Musik mit dem Advent. Das „Adventliche“ der Musik bestehe in ihrer „Fähigkeit, vom Unsagbaren, Namenlosen, alles rationale Verstehen Übersteigenden, vom Transzendenten zu sprechen“. Sie sei – mit einem Wort Rilkes – eine „Sprache, wo Sprachen enden“. Gerade im Advent bringe die Musik „die Sehnsucht, die in uns ist, neu zum Klingen“. Über den „Klangteppich“ der nächstliegenden Hoffnungen und Wünsche hinaus werde die Musik „zu einer Stimme der universalen Erlösungserwartung“, betonte der Weihbischof. Die Hochschule trage durch die Ausbildung von Kirchenmusikern dazu bei, „dass Menschen wieder hellhörig werden für die Stimme Gottes und für seine Verheißungen“.

Die Ausbildung qualifizierter Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker hat in der Diözese Rottenburg-Stuttgart traditionell einen besonderen Stellenwert. Schon im Jahr 1928 gründete der damalige Bischof Joannes Baptista Sproll die „Bischöfliche Musikschule“. Nach den Kriegsjahren erfolgte 1949 die Neugründung durch Bischof Carl Joseph Leiprecht, der die Musikschule im Jahr 1973 zur „Kirchenmusikschule“ erweiterte und damit das Ausbildungsniveau den Maßstäben der staatlichen Abschlussprüfung (B-Examen) anpasste. 1997 erfolgte durch Bischof Walter Kasper die Erhebung zur Hochschule.

Die Hochschule für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird von Studierenden aus dem ganzen Bundesgebiet besucht. Sie wird als einzige katholische Ausbildungsstätte für ehrenamtliche Kirchenmusiker ausschließlich aus kirchlichen Mitteln finanziert. Fünf hauptberufliche Lehrkräfte und eine Reihe nebenberuflicher Dozenten sind darin tätig. Eine enge Zusammenarbeit pflegt sie mit der Hochschule für Kirchenmusik der evangelischen Landeskirche Württemberg in Tübingen. Bis Ende des Jahres 2006 haben 135 Absolventen an der Rottenburger Hochschule die Diplom-Prüfung und 626 die C-Prüfung bestanden.

Die Hochschule feiert ihr zehnjähriges Bestehen am Samstag, dem 1. Dezember mit einem Treffen ehemaliger Studierender und um 17 Uhr mit einem Festkonzert im Rottenburger Dom. Am Sonntag, dem 2. Dezember, findet um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst mit Weihbischof Johannes Kreidler statt, an dem der Rottenburger Domchor unter der Leitung von Professor Frank Leenen und der Chor der Hochschule für Kirchenmusik unter der Leitung von Professor Stefan Schuck mitwirken. Um 11 Uhr findet im neu eröffneten Festsaal der Hochschule ein Festakt statt, bei dem Professor Johannes Brachtendorf, Philosoph an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, den Festvortrag hält.