Ausländische Priester: „Bereicherung, nicht Ersatz“

Nach einem sechswöchigen Orientierungskurs im Rottenburger Priesterseminar folgen bis Sommer 2015 Fortbildungen in praktischer Seelsorge. Dazu gehören unter anderem ein Beerdigungskurs, eine Werkwoche zum Kirchenrecht oder ein Kurs „In einer fremden Sprache predigen“. Im vergangenen Jahr erhielten Priester aus dem Ausland lediglich einen sechswöchigen Einführungskurs, in den Jahren zuvor mussten fünf Tage genügen. Bischof Gebhard Fürst begrüßte am Mittwoch offiziell die sechs Welt- und vier Ordenspriester.

Claudia Guggemos vom Institut für „Fort- und Weiterbildung“ der Diözese hat in enger Abstimmung mit Ortspfarrern und Dekanen nicht nur die Kursinhalte konzipiert, sondern arbeitet auch an einem interkulturellen Kurs für die aufnehmenden Kirchengemeinden. „Wir wollen, dass der Dienst ausländischer Priester Bereicherung für beide Seiten ist“, sagt die promovierte Theologin. Eine zentrale Rolle spiele dabei das Thema „kooperative Pastoral“, sagt Jochen Werner. Der Diakon ist im Bischöflichen Ordinariat zuständig für die Personalführung der Priester aus dem Ausland und betont, es sei wichtig, die Geistlichen aus Indien und Afrika mit den Strukturen deutschsprachiger Kirchengemeinden vertraut zu machen. Dazu gehöre vor allem auch die Zusammenarbeit mit haupt- und ehrenamtlichen Frauen und Männern, die Gremienkultur und damit verbunden die Förderung von Mitverantwortung aller Getauften. Jochen Werner hebt gleichzeitig den hohen Wert spiritueller und kultureller Impulse, die ausländische Priester geben, hervor.

In den ersten sechs Kurswochen lernen die Priester aus Übersee, die für sieben bis zehn Jahre als Pfarrvikare im Land bleiben sollen, vor allem Deutsch. Dabei arbeitet die Diözese mit einer Tübinger Sprachenschule zusammen. Gelernt wird ziemlich unkonventionell: Jeder Studientag beginnt mit einem biblischen Impuls und einer Lesung aus dem Evangelium zum Tag. Damit werden die ausländischen Priester vertraut mit religiösen Begriffen im deutschen Wortschatz. Jeder Kursteilnehmer hat bereits Vorkenntnisse; Voraussetzung für die Teilnahme am Einführungsprogramm ist mindestens ein schon zuvor beim Goethe-Institut absolvierter Sprachkurs.

Derzeit sind rund 120 ausländische Priester in Gemeinden der Diözese eingesetzt. Dies entspricht etwa einem Anteil von 25 Prozent aller Priester; werden die 60 Seelsorger der so genannten muttersprachlichen Gemeinden hinzu gerechnet, steigt der Anteil ausländischer Priester auf ein Drittel. Dieses Verhältnis wolle er trotz rückläufiger Zahlen von Priesteramtskandidaten aus Deutschland beibehalten, sagt Bischof Fürst. Damit entkräftet er die immer wieder geäußerte Befürchtung, die Diözese setze ausländische Priester als Antwort auf den Priestermangel ein. „Wir werben niemanden ab; wir haben jedes Jahr mehr Anfragen, als wir Priester aufnehmen können.“ Der Dienst ausländischer Priester verhindere nicht zukunftsfähige Lösungsansätze zur Gemeindeleitung. „Ich wünsche mir, dass uns die Priester aus dem Ausland helfen, Fremdheit als Bereicherung zu erfahren.“

Die zehn Priester aus dem Ausland sind bereits jetzt oder künftig im Dienst in:

Pfarrer Arul Raj Antony, Indien: Seelsorgeeinheit (SE) Bad Waldsee
Pater Donatus Asomugha, Nigeria: Dekanat Ludwigsburg und afrikanische Gemeinschaft Esslingen
Pater Joji Mathew, Indien: SE Tuttlingen
Pater Laurent Aniseti Mtaroni, Tansania: SE Ulm Basilika
Pfarrer Jean Baptiste Randriamanjara, Madagaskar: SE Bad Urach
Pfarrer Martin Santha Kumar David, Indien: SE Vorderes Härtsfeld/Oberes Kochertal
Pater Sunil Singh, Indien: SE Schemmerhofen
Pfarrer Jacob Susai, Indien: SE Lone-Brenz
Pater Johny Vellavalliyil, Indien: SE Schwendi
Pfarrer Pontian Wasswa, Uganda: SE Effata-Ablach-Donau

Manuela Pfann