Auswertung zu Papst-Fragebogen im Netz

Rottenburg. 25. September 2014. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat die Auswertung der Antworten auf die sogenannte Papstumfrage zu Fragen von Ehe und Familie ins Internet gestellt. Bis Ende Januar konnten Katholikinnen und Katholiken den umfangreichen Fragebogen beantworten. 1.400 ausgewertete Bögen wurden von der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft an die Deutsche Bischofskonferenz zur Weiterleitung an den Vatikan geschickt. Dort findet vom 5. bis 19. Oktober eine Bischofssynode zu Fragen von Ehe und Familie statt. Weitere 600 Antworten, die nach dem von der Bischofskonferenz gesetzten Einsendeschluss 10. Dezember 2013 eingingen, wurden ebenfalls ausgewertet. Die Auswertung der insgesamt 2.000 Antwortbögen ist einsehbar.

Der Umfrage zufolge wünschen sich die allermeisten Katholikinnen und Katholiken in der württembergischen Diözese eine lebensnähere, barmherzigere und in schwierigen Situationen hilfreichere Kirche. Die deutliche Mehrheit der Antworten ergab, dass die Gläubigen ihre Kirche zu einem großen Teil als realitätsfern und abweisend empfinden. Demnach sehen viele Katholiken Probleme, nach der offiziellen katholischen Glaubens- und Sittenlehre zu leben. Vor allem betrifft dies Sexualität, Umgang mit wiederverheirateten Geschieden sowie Ehen zwischen Partnern mit unterschiedlicher Konfession. Die Lehre der Kirche wird hier als weltfremd, unbarmherzig, rückwärtsgewandt und unglaubwürdig beschrieben. Bischof Gebhard Fürst dankte allen Einsendern und betonte, die Antworten böten wichtige Orientierung für den Weg in die Zukunft einer menschendienlichen Kirche.

Die weitaus größte Mehrheit betont das Recht und die Pflicht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen. Sehr viele weisen darauf hin, das Kindeswohl müsse Priorität haben und der Staat habe einzugreifen, wenn Eltern dies nicht gewährleisten können. Eine große Mehrheit spricht sich dafür aus, die sakramental geschlossene Ehe solle die bevorzugte, aber nicht einzige Möglichkeit sein, Partnerschaft zu leben. Treue und Verantwortung seien die Maßstäbe.

Mehrheitlich wird verlangt, dass die Kirche verbindlich zusammenlebende homosexuelle Paare akzeptieren soll. Dies berühre nicht den Wert der Ehe zwischen Mann und Frau. Die meisten Antwortenden wünschen sich Toleranz gegenüber Homosexuellen, die sich ihre Prägung schließlich nicht selbst ausgesucht hätten. Einige lehnen die Ehe für homosexuelle Paare ab. Nahezu alle betonen, dass Kinder von homosexuellen Paaren kirchlich nicht ausgegrenzt werden dürften. Sie hätten wie alle anderen Kinder ein Recht auf Religion.

Die überwältigende Mehrheit fordert, dass die Kirche wiederverheiratet Geschiedene verständnisvoll annimmt und die zweite Ehe etwa in einer besonderen Feier segnet. Vielfach fühlten sich von einer gescheiterten Ehe betroffene Paare durch die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe und dem damit begründeten Ausschluss von den Sakramenten bestraft. Dabei belegt die Umfrage, den meisten wiederverheirateten Geschiedenen werde die Kommunion nicht verweigert. Es werde aber auch die Erfahrung gemacht, angeprangert zu sein. Für die meisten Betroffenen ist eine Ehenichtigkeitserklärung keine akzeptable Lösung.

Beim Thema Familienplanung und Empfängnisverhütung sprechen sich zwar einige Antwortgeber für „natürliche“ Formen der Verhütung aus; die überwiegende Mehrheit weist die Entscheidung in diesen Fragen der Verantwortung der Partner zu. Ein Verbot von Kondomen wird gar als sträflich bezeichnet. Fast alle betonen und bedauern teilweise, dass der Kirche in diesen Themen keine Kompetenz mehr zugetraut wird. Abtreibung generell lehnen die meisten grundsätzlich ab. Eine große Zahl der Antwortgeber differenziert, dass sie bei medizinischer oder psychischer Indikation möglich sein müsse. Ähnlich viele betonen, dass alle möglichen Hilfen angeboten werden müssen, um eine Abtreibung zu verhindern. Sterilisierung sollte offiziell erlaubt sein, die Pille danach nur eingeschränkt angewendet werden. Voreheliche sexuelle Beziehungen, so die Mehrheit, seien ein Faktum.