Baufortschritte am Bischöflichen Palais „hervorragend im Plan“

In der Tat präsentiert sich zur Zeit das ehemalige Jesuitenkolleg zwischen Oberer Gasse und ehemaliger Stadtmauer in der eindrucksvollen Schönheit der Renaissance-Architektur. Von vorne gesehen erhebt es sich über einer immer tiefer werdenden Baugrube, von oben her ist der Blick durch den Abriss des so genannten Domherrenhauses Ende Juni frei geworden. Und die Nordfassade dominiert bereits seit der Neugestaltung des Eugen-Bolz-Platzes die große Freifläche.

Das Haus ist derzeit eine leere Hülle. Seit dem Auszug der Verwaltung im April stehen die weitläufigen Flure und zahlreichen Büros leer. Soeben wurde damit begonnen, erhaltenswerte Teile der Innenausstattung im Palais sowie im benachbarten „Rohrhalder Hof“ wie Türen, Böden, Wandvertäfelungen oder Stuckdecken zu sichern und vor Beschädigung zu schützen. In etwa zehn Wochen kann dann mit dem „Rückbau“ der Rohre, Heizkörper und Kessel der alten Heizungsanlage begonnen werden, die einer modernen Pelletheizung weichen wird. Voraussichtlich bis Ende des Jahres wird dies dauern, dann kann mit Abbruch und Rohbauarbeiten begonnen werden, durch die die ursprüngliche Gebäudegestalt im Inneren der historischen und denkmalgeschützten Liegenschaften wieder hergestellt wird. Parallel dazu wird der Turm an der Rückseite des Palais gesichert und saniert. Mit dem Rohbaubeginn der neuen, zusätzlichen Verwaltungsgebäude auf der Grundfläche der ehemaligen Klosterkirche St. Joseph und an der Rückseite des Kollegiengebäudes rechnen die Architekten der Grund- und Bauverwaltung zum Beginn des Jahres 2010.

Vor dem Bischöflichen Palais „wächst“ derweil eine gewaltige Baugrube „in die Tiefe“, in der künftig das neue Diözesanarchiv Platz finden wird. Zur Zeit sind allerdings nur gewaltige Betonbohrpfähle vor den Gebäudefundamenten und Betonverwahrungen zur Oberen Gasse hin zu sehen. Ein gigantisches Bohrgerät hatte dafür in den letzten Wochen die Löcher vorbereitet. Und Zug um Zug mit der Ausschachtung der Grube werden die Stützpfeiler seitlich verankert. Ende des Jahres soll diese Sicherung der Baugrube abgeschlossen sein

Überhaupt sind die Bauherren im Bischöflichen Ordinariat mit dem Fortgang der umfangreichen Bauarbeiten sehr zufrieden. Alles sei „hervorragend im Plan“, unangenehme Überraschungen habe es bislang nicht gegeben. Nicht zuletzt machen sie dafür auch die „ausgezeichnete und vorbildliche Kooperation“ verantwortlich, die nach Stephen Minte sowohl mit der Stadt Rottenburg als auch mit dem Landesdenkmalamt besteht. In eng abgestimmter und vertraglich vereinbarter zeitlicher Koordinierung führen die Ärchäologen des Denkmalschutzes in den Gruben rund um das Bischöfliche Palais ihre Suche nach historischen Funden fort – Mittelalterliches zum einen, Römisches zum anderen. Und immer wieder werden Dokumente besonders der römischen Besiedlung des antiken Sumelocenna sichtbar. So kamen an der Stelle des ehemaligen Domherrenhauses die Reste einer gewaltigen römischen Zwingermauer zum Vorschein. Und an der Rückseite des ehemaligen Jesuitenkollegs stießen die Archäologen auf einen etwa sieben Meter tiefen Brunnen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Man darf auf weitere Entdeckungen gespannt sein.

Die Bauherren im Bischöflichen Ordinariat sind sicher, dass die Rottenburger Bevölkerung nach Abschluss der Baumaßnahmen durch eine sehenswerte Bereicherung des Stadtbildes für die Lärm- und Staubbelästigung und für die Verkehrsbeeinträchtigungen entlohnt wird, die sie derzeit ertragen muss.