Bedeutende Tradition der oberschwäbischen Glaubensgeschichte

Sie seien „gelebtes und öffentliches Bekenntnis“ zu Jesus Christus, „dessen Leben ganz Liebe und Hingabe war“. In einem Gottesdienst zum 100-jährigen Jubiläums der Blutreitergruppe Schmalegg bei Ravensburg dankte er am Samstagabend deren Mitgliedern für „100 Jahre gelebte Treue, 100 Jahre lebendiges und überzeugtes Zeugnis von unserem Glauben, 100 Jahre oberschwäbische Lebens- und Glaubenskultur“. Menschen lebten aus Wurzeln der Tradition, betonte Weihbischof Kreidler, „die größer und stärker sind als wir selbst“. Aber Traditionen seien nicht über jede Anfrage erhaben. Christus, so zitierte er den frühchristlichen Kirchenlehrer Tertullian, habe nicht gesagt: „Ich bin die Gewohnheit“, sondern „ich bin die Wahrheit“. Tradition behalte da ihren Wert, wo sie fähig sei, „in der Welt ein Mehr an Glauben, Hoffnung und Liebe zu schaffen“. Die Blutreitertradition sei keine Demonstration der eigenen Frömmigkeit, sondern ein „Zeugnis von Gottes Liebe“, sagte der Weihbischof. Angesichts der Ungewissheit, was die Zukunft bringe, hätten viele Menschen Angst. Daher sei es wichtig, glaubhaft zu machen, „dass der Gott, an den wir glauben, auch heute ein lebendiger Gott und ein Gott für die Menschen ist, einer, der es besonders gut mit ihnen meint, auch wenn wir es nicht sofort verstehen“. Das Blut Jesu, das in Oberschwaben eine besondere Verehrung erfährt, sei Zeichen seines Daseins für andere, betonte Weihbischof Kreidler. Die Heilig-Blut-Verehrung müsse daher auch zu der Frage führen: „Was lassen wir uns eine gerechtere und menschlicher Welt kosten?“ Das müsse nicht bis zum äußersten Einsatz des Lebens gehen, auch in der alltäglichen Bewährung könne „eine Liebe, die Liebe bleiben will“, teuer sein.