„Beeindruckende Strahlkraft“

Bischof Fürst erinnerte an ein lebendiges Ordensleben im Spätmittelalter. In Esslingen sei das Wirken der Ordensfrauen und -männer in jener Zeit gar als „heller als Sonne und Mond“ gelobt worden. Auch heute böten Ordensleute Anlaufstellen für Menschen in Not, engagierten sich in Seelsorge, Bildung und im Gesundheitswesen.

„Die Klöster sind aber auch Oasen der Spiritualität, in denen das Gebet und geistliche Traditionen gepflegt werden“, betonte der Bischof. Dort könnten Menschen Raum für Besinnung bekommen und ihre geistlichen Lebensquellen neu entdecken. Ordensleute seien aufgerufen, sich nicht in Ghettos zurückzuziehen, sagte Bischof Fürst. Christen seien zur missionarischen Verkündigung des Glaubens berufen. An dieser Berufung hätten Ordensleute in einer Spannung zwischen aktivem und kontemplativem Leben besonderen Anteil.

Als Ort des Ordenstages 2010 wählte Bischof Fürst bewusst die einstige Reichsstadt Esslingen. Dort ist noch bis Ende Januar eine Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde – Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“ zu sehen. Sechs Bettelordensklöster und elf Pfleghöfe gab es in Esslingen im Spätmittelalter bis zu der dort 1531 eingeführten Reformation - so viele wie in keiner anderen süddeutschen Stadt vergleichbarer Größe zu jener Zeit. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind heute 50 vor allem weibliche Ordensgemeinschaften mit insgesamt rund 2.000 Mitgliedern vertreten. Sie engagieren sich unter anderem für Notleidende, in der Kranken- und Altenpflege, in Seelsorge und Bildung.

Bei dem Treffen hielt der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Joachim Halbekann, einen Vortrag „Heller als Sonne und Mond – Die Esslinger Klöster und Pfleghöfe im 13. und 14. Jahrhundert“. Am Nachmittag machten die Ordensleute einen Rundgang durch die Stadt, die Kirchen und die Ausstellung. Den Abschluss bildete ein Pontifikalgottesdienst mit Bischof Fürst und dem in der Diözesanleitung für die Orden zuständigen Weihbischof Thomas Maria Renz im Münster St. Paul.

Uwe Renz