„Bei den Menschen sein“

Die derzeit mit 2,3 Millionen Euro ausgestattete Stiftung soll nach den Worten von Bischof Fürst die weltkirchliche Arbeit der Diözese auch in Zukunft nachhaltig sichern. Sie gehe, so der Bischof, zurück auf die Erfahrungen von Bischof Carl-Joseph Leiprecht während des Zweiten Vatikanischen Konzils und sei vor allem durch den ehemaligen Generalvikar Eberhard Mühlbacher vorangebracht worden.
Die Stiftung „Weltkirche“ ist eine Dachstiftung. Ihre Geschäftsführung ist bei der Hauptabteilung X des Bischöflichen Ordinariats angesiedelt. Zu ihr werden künftig die bereits bestehenden Stiftungen „Pastorale Dienste in Übersee“, „El Maestro en Casa“ und „P. Franz von Tattenbach“ für Bildungsprojekte in Guatemala sowie „Schwestern helfen Schwestern“ gehören. Letztere wurde 1989 gegründet und wird durch die Franziskanerinnen-Kongregationen von Reute, Schwäbisch Hall und Sießen, durch die St.-Anna-Schwestern in Ellwangen sowie durch die Vinzentinerinnen-Kongregation der Barmherzigen Schwestern in Untermachtal getragen. Als ein „ermutigendes und hilfreiches Zeugnis im Geist des hl. Franz von Assisi und des hl. Vinzenz von Paul“ bezeichnete Bischof Fürst dieses Solidaritätswerk der Schwesterngemeinschaften, das in dem Festakt am Samstag auch das eigene 20-jährige Bestehen feierte.

Bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Stiftungszwecke, so Bischof Gebhard Fürst, dokumentierten diese vier Stiftungen eine gemeinsame Grundhaltung, die darin bestehe, nicht „am Grünen Tisch Konzepte oder gar Rezepte zu entwickeln“, sondern sich vom konkreten Hilfebedarf der Menschen leiten zu lassen. Das Jesus-Wort „Was willst du, dass ich dir tue“ sei heute ein in seiner Modernität und Professionalität unbestrittenes Grundprinzip sozialer Arbeit. Weltkirchliche Arbeit finde bei aller Unterschiedlichkeit in den jeweils konkreten Situationen ihre Kraft und ihre Glaubwürdigkeit in der unmittelbaren Begegnung von Mensch zu Mensch, die die Kompetenz des anderen respektiere und ihm die Freiheit seiner Entscheidung zugestehe, betonte der Bischof. Das Leitwort der neuen Stiftung: „Bei den Menschen sein“, drücke dieses Grundprinzip treffend aus. Es sei darüber hinaus ein wesentliches Kennzeichen christlicher Existenz und ein Qualitätskriterium einer lebendigen Kirche.

Die Frage der „Inkulturation“, der Transformation des Glaubens in die jeweiligen Kulturen und deren Lebensformen hinein, sei ein zentrales Problem der Weltkirche und ihrer Verkündigung. Heute erschließe sich aber eine neue Perspektive der Inkulturation, so Bischof Fürst. Es gehe heute darum, dass sich die westliche Kirche beleben und bereichern lasse von der Glaubensfreude und dem Lebensmut der Christen in anderen Regionen der Erde. Es zeige sich, „dass wir von ihnen vieles an christlicher Substanz zurück erhalten, was wir ihnen in früheren Zeiten vermittelt haben“, sagte der Bischof. Es sei „nicht unbedingt ein Schaden“, dass sich dadurch hierzulande die Sorgen und Prioritäten verschieben und ein anderes Gewicht bekommen.