„Bekehrung auf den Märkten ist nötig“

Bei der Volksbank in Rottenburg mahnte er am Donnerstag einen Bewusstseinswandel in der Finanz- und Wirtschaftswelt an und eine neue Sensibilität für das Wohl der Menschen. „In verantwortungsloser Weise riskierten Banker und Manager weltweit agierender Institute und Konzerne Milliarden und verspielten sie schließlich unwiederbringlich – auch dies zu Lasten vieler kleiner Gläubiger, von Angestellten, von Kunden, letztlich von allen Bürgern“, sagte der Bischof. Ohne soziale Selbstverpflichtungen aber löse sich eine Gesellschaft rasch auf.

Es sehe so aus, betonte der Bischof, dass in der gegenwärtigen Krise der in der katholischen Soziallehre verankerte Wert der Solidarität auch in der Welt der Banken und Konzerne wieder salonfähig werde. Ein eindrucksvoller Beleg hierfür sei der Sinneswandel des Chefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Vor einem Jahr noch habe niemand von diesem Spitzenmanager ein Eingeständnis erwartet, dass der Markt sich nicht selber regulieren und heilen könne. So aber habe Ackermann eingeräumt, dass der Markt auch weltweit Regulative brauche und er vom Saulus zum Paulus geworden sei. Bischof Fürst ergänzte, „mit großem Erstaunen und durchaus nicht ohne Bitternis möchte man allerdings bemerken, dass inmitten der Weltkrise jetzt von den Schädigern die Solidarität der Geschädigten eingefordert wird“. Schließlich wollten gerade die bisherigen Verfechter eines völlig deregulierten Marktes „hierzulande oder in Übersee sich nun bereitwillig unter staatliche Schirme stellen“.

Bischof Fürst erinnerte an die grundsätzliche Verpflichtung der Besitzenden gegenüber den Schwachen. Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums sei „eine wichtige Markierung der katholischen Soziallehre“. Bischof Fürst stellte fest, Geld und Kapital seien keine Werte an sich, sondern „Werte zum Leben, Lebensmittel“. Es müsse den Menschen für einen würdigen Lebenserhalt zur Verfügung stehen.