„Belagert und ausgehungert“

Rottenburg/Tübingen. 3. Dezember 2013. Stefanie Neidhardt (27), Kirchenhistorikerin und Doktorandin, erhält den Bischof-von-Hefele-Preis 2013 der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie wird damit für eine Arbeit über die Dominikanerin Magdalena Kremer gewürdigt, die Ende des 15. Jahrhunderts eine Chronik zum Ordensleben in Kirchheim/Teck verfasst hatte. Darin beschreibt die gebildete Ordensfrau die Vorgänge um eine von ihr durchgesetzte rigide Klosterreform und deren Folgen in Kirche und Gesellschaft. Weihbischof Johannes Kreidler überreicht den mit 2.500 Euro dotierten und seit 1986 alle zwei Jahre vergebenen Preis am Donnerstag um 20 Uhr im Tübinger Wilhelmsstift.

Neidhardt interpretierte die Chronik, der zufolge sich die Klostergemeinschaft zurückgezogen und nach strengen Regeln auf ein intensiveres religiöses Leben besinnen sollte. Die von „der Kremerin“ forcierte Reform löste bei Mitschwestern Widerstand aus und bei einem Teil der Bevölkerung sowie beim Vogt des Klosters. Die Nonnen wurden belagert und ausgehungert. Mit Mühe erhielten sie Schutz durch württembergische Grafen und Ordensobere.

Weihbischof Kreidler bescheinigt Neidhardt, sie habe aus der Chronik mit großer Sorgfalt und analytischer Kompetenz tiefe Einsichten über die religiösen Reformziele der so genannten observanten Dominikanerinnen gewonnen. Ihre Arbeit stelle einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des religiösen Raums der heutigen Diözese Rottenburg-Stuttgart dar.

Die Ehrung im Wilhelmsstift, Collegiumsgasse 5 in Tübingen, ist öffentlich. Anmeldung erbeten beim Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Email: info@gv-drs.de.

Uwe Renz

Programm der Preisübergabe