Benedikt XVI. auf seiner ersten Auslandsreise

Als der Papst die Gangway herunterkommt, fliegt ihm das Käppchen davon, die Soutane weht - und seine weißen Haare. Kein Bodenkuss wie noch bei Johannes Paul, aber ein Händedruck für das Präsidenten-Ehepaar Köhler und für das Kanzler-Ehepaar Schröder. Benedikt lächelt verhalten, ist sparsam in der Gestik, plaudert kurz mit Doris Schröder-Köpf, die auch aus Bayern kommt, und verneigt sich jedes Mal leicht, wenn er jemanden begrüßt.

Eine Bundeswehr-Formation ist angetreten, spielt die Hymnen beider Staaten. "Benedetto”, skandieren Jugendliche, versuchen eine La-Ola-Welle. "Heiliger Vater, so geht das schon seit Tagen hier in der Gegend – die Fröhlichkeit ist auch hier!”, sagt der Bundespräsident. "Willkommen in der Heimat, willkommen in Deutschland!” Der Papst ist sichtlich gerührt. "Nach dem Papst aus Polen”, so Köhler, "ist nun jemand aus der so genannten Flakhelfer-Generation zum Nachfolger des Heiligen Petrus gewählt worden. Dass es so gekommen ist, das gibt mir Zuversicht – sechzig Jahre nach dem Ende der menschen- und gottfeindlichen Ideologie, die in Deutschland herrschte.” Er freue sich auch als Protestant, so der Präsident, dass ein Deutscher Papst geworden sei. In Deutschland spielten die christlichen Kirchen eine lebendige Rolle, und er sei sehr froh darüber. Köhler lobt soziales Engagement und politische Rolle der Kirchen, bekommt viel Applaus, als er den verstorbenen Johannes Paul II. erwähnt.

Die Papst-Ansprache mit Lesebrille und den typischen Professoren-Gesten mit der rechten Hand, aber schon nach einem Satz weicht Benedikt von seinem Redemanuskript ab, erwähnt sein Interview mit Radio Vatikan, sagt, wie er sich freut, jetzt bei den Jugendlichen aus aller Welt zu sein. Zu Präsident Köhler gewandt, meint er: "Ich wusste gar nicht, dass jemand, der in der Wirtschaft lebt, auch soviel Philosoph und Theologe sein kann!” Als erneut "Benedetto” skandiert wird, scherzt der Papst: "Ja, das werden wir in diesen Tagen noch öfter hören, nicht?” Nach seiner Rede begrüßt Benedikt einige der Pilger und der WJT-Freiwilligen, winkt freundlich, danach wird er ins Erzbischöfliche Haus zum Mittagessen gefahren.

Am Nachmittag bestieg der Papst ein Rheinschiff, um zum Dreikönigsschrein im Kölner Dom zu pilgern. Der Jubel Hunderttausender junger Leute am Rheinufer brandete dabei immer wieder auf. Im Kölner Dom betete der Papst zusammen mit Kardinal Joachim Meisner für den am Dienstag durch eine Messerattacke tödlich verletzten Prior von Taizé, Roger Schutz. Anschließend fuhr er im Papamobil durch die Reihen der Pilger und Schaulustigen in der Kölner Innenstadt.

Am heutigen Freitag trifft Benedikt XVI. mit dem Bundespräsidenten zu einem Vieraugen-Gespräch zusammen, um die Mittagszeit besucht er die Kölner Synagoge, wo er eine mit Spannung erwartete Rede halten wird. Am Nachmittag ist ein Treffen mit Seminaristen in der Kirche Sankt Pantaleon vorgesehen, am Abend die Begegnung mit Vertretern der evangelischen Kirche und das Zusammentreffen mit Islamvertretern. Nach dem Wunsch des armenisch-orthodoxen Patriarchen von Istanbul und der ganzen Türkei, Mesrob II. Mutafyan, soll der Papst dazu beitragen, den christlich-islamischen Dialog zu verbessern. Den christlichen Kirchen in der Türkei müsse an den Universitäten in dem Land die Einrichtung eigener theologischer Studiengänge ermöglicht werden, forderte Mesrob. Vor einem EU-Beitritt seines Landes habe außerdem der Demokratisierungsprozess voranzuschreiten. Die Türkei müsse die "Menschenrechtsstandards in allen Bereichen erweitern".