Bergen, Herberge geben und heilen

In der tätigen Liebe gerade zu den so genannten Verlorenen werde die Kirche glaubwürdig, sagte der Bischof am Samstag in Wien bei der Internationalen Konferenz der katholischen Ständigen Diakone. Dieser Dienst könne kraftvoll nur aus einer tiefen und vitalen Spiritualität wachsen. Wie in der Frühzeit der Kirche würden dann die Menschen fragen: „Was sind denn das für Leute; woher nehmen sie die Kraft, so zu leben?“ Bischof Fürst hatte seinen Vortrag überschrieben „Wie und wovon werden Diakone morgen geistlich leben?“. Der am Sonntag endende dreitägige Kongress in Wien mit 200 Diakonen steht unter dem Motto „Diakonische Spiritualität“; er wurde von dem in Rottenburg ansässigen Internationalen Diakonatszentrum (IDZ) veranstaltet, dessen Protektor Bischof Fürst ist.

Als Basis für eine vitale geistliche Grundhaltung der Diakone nannte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart ein Leben in Gemeinschaft mit anderen Christen, das Lesen der heiligen Schriften, das Gebet und die Eucharistie. Diakon zu sein bedeute, „in der Spur Jesu die Opfer am Wegesrand nicht zu übersehen, sie vielmehr zu bergen, Herberge zu schaffen und für Heilung zu sorgen“. In der Spur Jesu hätten die Verlorenen unserer Zeit ihren besonderen Platz. Als Beispiele von Verlorenheit nannte Bischof Fürst materiell arme, seelisch obdachlose, in der Gesellschaft zurück gebliebene oder heraus gefallene, in Einsamkeit oder Anonymität lebende Menschen. Mit der Weihe weise die Kirche Diakonen einen besonderen Auftrag zu, im Dienen Christus nachzufolgen, „dem das Dienen wesentlich geworden ist“.

Laut IDZ gibt es derzeit rund 36.000 Ständige Diakone in 130 Ländern, 98 Prozent von ihnen in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent. Laut Statistik sind in Asien nur 143, in ganz Afrika 380 ständige Diakone aktiv. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Ständige Diakonat in der katholischen Kirche wiederbelebt. Die Konzilsväter sprachen sich dafür aus, dass der Diakonat als eigene und beständige hierarchische Stufe wiederhergestellt wird und auch verheirateten Männern offen steht. Für den Dienst kommt nur in Frage, wer sich in Ehe und Familie, Kirche und Berufswelt bewährt hat. Die weltweit ersten Ständigen Diakone wurden 1968 in den Diözesen Köln und Rottenburg geweiht.