Beruf mit mindestens 100 Jahren Zukunft

Eine interessante Geschichtsschreibung wäre es nach den Worten von Bischof Gebhard Fürst, die Liturgiegeschichte der letzten 100 Jahre aus der Perspektive des Mesnerberufs zu betrachten. In seiner Predigt beim Festgottesdienst im Heilig-Kreuz-Münster der Stauferstadt wies der Bischof darauf hin, dass dieser Dienst immer bedeute, sich in bestehende und gültige Ordnungen einzufügen. Stets nehme er bei Mesnerinnen und Mesnern eine hohe Loyalität wahr. Oft seien sie als unmittelbare Ansprechpartner vor Ort Auskunftgeber in den unterschiedlichsten Fragen. Und nicht selten seien sie es, die etwa bei Trauerfällen den Angehörigen Trost und Mut zusprächen, betonte Bischof Fürst. So leisteten Mesnerinnen und Mesner auf ihre Weise einen Dienst am Auferstehungsglauben. Immer wieder begegneten ihm bei Vertretern dieses Berufsstands originelle Lebensgeschichten, und er sehe Menschen, „die nicht irgendeinen Job tun, sondern die sich, hoch engagiert, mit Herzblut, aufgrund einer Berufung einbringen“, so der Bischof. Trotz mancher Verunsicherung in der gegenwärtigen kirchlichen Situation könne er ihnen zusichern, „dass es ohne Sie auch in den nächsten 100 Jahren nicht gehen wird“.

Für „hundert Jahre gelebter Treue“ dankte Weihbischof Johannes Kreidler in einem Vortrag über den „Mesner im Dienst der Liturgie und der Gemeinde“ den Festteilnehmern. Weihbischof Kreidler ist im Bischöflichen Ordinariat unter anderem für die Liturgie und damit auch für die Mesnerinnen und Mesner zuständig. Der Mesnerverband habe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Wichtiges an Fortbildungen, aber auch an einer Etablierung des Berufs im Hinblick auf Besoldung, Ausgestaltung und Arbeitsbedingungen sowie auf spirituelle Bewusstseinsbildung geleistet. Obwohl Mesner zwar Lichter und Scheinwerfer zum Gottesdienst anzündeten, stünden sie selbst nicht im Scheinwerferlicht. Sie seien jedoch mit ihrem Dienst hineingenommen in die Umschreibung dessen, was nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil Kirche sei. Kirche sei nach dem Konzil kein Selbstzweck, sondern „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung des Menschen mit Gott“. In diesem Sinne seien auch Mesnerinnen und Mesner „wirksames Werkzeug“, die in ihrer Person Gottes Liebe darstellten und weitergäben. Das Konzil, so Kreidler weiter, hebe auch die Laien mit ihrer Würde und ihrer Sendung eigens hervor. Trotz der Verschiedenheit der Dienste müsse diese Gleichheit immer wieder herausgestrichen werden, besonders wo man in der Kirche meine, das Gefälle von oben nach unten betonen zu müssen. Eine christliche Gemeinde baue sich aus der Vielfalt ihrer Gemeindeglieder und deren Begabungen und Fähigkeiten, auf. Die Bibel spreche hier von Charismen. Gerade Mesnerinnen und Mesner vereinigten in ihrer Person oft eine bewundernswerte Vielfalt von liturgischen, technischen, gestalterischen und auf die Menschen hin kommunikativen Charismen. Damit hätten sie Anteil an der Sendung der Kirche. „Gesandtsein ist kein Privileg der Pastoralen Hauptamtlichen in der Kirche, Gesandtsein ist das Erkennungssiegel aller Getauften“, betonte Weihbischof Kreidler.

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Am 25. Juli 1911 wurde in Ulm der erste Mesnerverein der Diözese Rottenburg gegründet. Der Erste Vorsitzende Anton Lutz teilte dazu vorsichtshalber dem Bischöflichen Ordinariat in einem Brief vom 1. August 1911 mit, der Verein beabsichtige in keiner Weise, „Unzufriedenheit oder unbotmäßige Gesinnung unter seinen Mitgliedern zu erregen“, sondern er werde nur die ideelle, soziale und materielle „Hebung des Mesnerstandes“ im Auge haben. Zuvor war im Jahr 1899 im Königreich Württemberg der Mesnerdienst vom Schuldienst getrennt worden, dadurch war die Schaffung eines neuen Berufsbildes „Mesner“ notwendig geworden, zu dessen Entwicklung und Etablierung im öffentlichen Bewusstsein der Berufsverband wesentlich beitrug. Der Mesnerverband, der aus dem erstem Mesnerverein hervorging, erlebte eine wechselvolle Geschichte. Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs kam es in den Jahren 1926 bis 1928 zu einer Neugründung. Am 25. März 1936 wurde eine umfassende Dienstordnung für die Mesner der Diözese Rottenburg erlassen; Vereinszweck und Aufgabenstellung haben sich seit der ersten Gründung nicht verändert und sind auch in der derzeit gültigen „Satzung des Mesnerverbandes“ von 1972 und in der neuen Dienstordnung aus dem Jahr 2005 enthalten. Der Nationalsozialsozialismus bedeutete einen Einbruch in der Verbandsgeschichte. Am 20. August 1938 erschien mit der Nummer 8 nach 15 Jahrgängen die letzte eigenständige Ausgabe der „Katholischen Mesnerzeitung“. 1939 erfolgte die durch die Reichspressekammer erzwungene Zusammenlegung der drei süddeutschen Mesnerzeitungen mit der Zeitschrift des Reichsverbands der katholischen Kirchenangestellten „Im Dienste der Kirche“ in Essen. Am 13. August 1939 musste der Mesnerverein der Diözese Rottenburg seine Auflösung beschließen. Im Rahmen von Mesnerexerzitien in Beuron vom 12. bis 16. Februar 1951 wurde von den 84 Teilnehmern seine Wiederbelebung unter der neuen Bezeichnung „Mesnervereinigung“ beschlossen. Im Juli/August erschien die erste Ausgabe der neuen Mesnerzeitung „Unser Dienst“, die im Dezember 1960 ihr Erscheinen wieder einstellte und durch das Augsburger Blatt „Der katholische Mesner“ ersetzt wurde. Beim 10. Mesnertag am 28. April 1976 und im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen wurde der vormalige „Mesnerverein“ bzw. die spätere „Mesnervereinigung“ in den heutigen „Mesnerverband“ umbenannt.

Verantwortung an der Spitze des Mesnerverbands Rottenburg-Stuttgart tragen heute der Diözesanpräses Msgr. Franz Scheffold, Laupheim, Diözesanleiter Peter Werner, Giengen/Brenz, und stellvertretender Diözesanleiter Wolfgang Schabel, Gundelsheim. Geschäftsführer ist Karl Stipani, Rottenburg.