Bestattungskultur christlich gestalten

Eine christlich geprägte Bestattungskultur solle den Glauben an die unbedingte Liebe Gottes zu den Menschen und Hoffnung auf ewiges Leben ausdrücken, betonte der Bischof am Mittwoch in Stuttgart. Er stellte ein Konzeptionspapier vor mit dem Titel „Bestattungskultur in der Diözese Rottenburg-Stuttgart – Richtlinien, Grundsätze, Empfehlungen“. Das Dokument konkretisiert Stellungnahmen der katholischen deutschen Bischöfe zu Fragen der Bestattungskultur der vergangenen Jahre für die württembergische Diözese.

Vorbei sei die Zeit, als nur eine oder ganz wenige Bestattungsformen anerkannt gewesen seien, betonte der Bischof. Heute würden Menschen aus verschiedenen Motiven unterschiedliche Beisetzungsformen wählen. In dieser Vielfalt christliches Profil zu wahren, sei kirchliche Aufgabe. „In ihren Anfängen war der Liebesdienst von Christen an Verstorbenen geradezu Erkennungszeichen der Kirche.“

Bischof Fürst betonte, für Christen entscheidend bei der Beurteilung einer Bestattungsform sei die jeweilige weltanschauliche Grundhaltung. So sei Katholiken beispielsweise eine Feuerbestattung erlaubt, wenn die Motivation dazu nicht etwa einem atheistischen oder pantheistischen Hintergrund entspringe. Eine Erdbestattung entspreche freilich eher dem biblisch-christlichen Menschenbild und verdeutliche unmittelbar Abschied, Trauer und Geborgensein in Gott. Analog würden diese Maßstäbe auch gelten für die Form der Beisetzung in so genannter natürlicher Umgebung. Allerdings hätten die deutschen Bischöfe nach wie vor Vorbehalte gegen Beisetzungen im Wald, weil diese Form privatreligiöse, naturreligiöse oder pantheistische Vorstellungen fördern könne.

Besonders ging der Bischof auf den sozialen und Gemeinschaft stiftenden Aspekt von Beisetzungen ein. „Die Präsenz der Verstorbenen in Gestalt ihrer Gräber ist auch für die Lebenden bedeutsam: Sie werden dadurch beständig daran erinnert, dass auch sie Teil dieser Gemeinschaft sind und denselben Weg gehen wie die Generationen vor und nach ihnen.“ Bischof Fürst erinnerte in diesem Zusammenhang auch an das Schicksal mittellos Verstorbener. Sie hätten laut Gesetz nur Anspruch auf die kostengünstigste Form der Bestattung, „Mit solchen Beisetzungen, die oftmals trostlos wirken, sollten sich Christen nicht abfinden.“ Bischof Fürst appellierte, orientiert am Beispiel mittelalterlicher Sterbebruderschaften, in Kirchengemeinden karitative Initiativen zu bilden mit dem Zweck, mittellos Verstorbenen eine würdige Bestattung zu ermöglichen.

Zum 30-seitigen Dokument „Bestattungskultur“ bietet die Diözese Begleitmaterial an. Die fünf Texte umfassen einen Sterbesegen, Gebete zur Verabschiedung vor der Kremation, zur Urnenbeisetzung sowie ein Gebet zur Urnenbeisetzung in natürlicher Umgebung und einen Info-Flyer „Im Tod ist das Leben – Sterben und Tod aus christlicher Sicht“.

Hinweis: Konzeption und Begleitmaterialien sind zu beziehen über die Expedition des Bischöflichen Ordinariats in Rottenburg, Fax: (07472) 169-561, Email: expedition@bo.drs.de.

Uwe Renz