Besuch bei langjährigen Freunden

Die erste Etappe ist für einen Tag die Erzdiözese Goa und Daman im Südwesten des Subkontinents, in den folgenden acht Tagen besuchen die beiden Rottenburger Diözesanvertreter acht der insgesamt dreizehn Diözesen im etwas nördlicher gelegenen Bundesstaat Karnataka.

Goa ist der kleinste aller indischen Bundesstaat und weist mit der Geschichte der dortigen Kirche weit in das frühe Christentum der ersten Jahrhunderte zurück, nach über 450-jähriger portugiesischer Kolonialherrschaft ist es außerdem in einer für Indien einmaligen Weise kulturell geprägt. Mit der Erzdiözese Goa und Daman, als „Patriarchat von Ostindien“ eines der sechs Patriarchate der katholischen Kirche weltweit und bis 2006 direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt, steht die Diözese Rottenburg-Stuttgart seit 1968 in bilateralen Beziehungen und hat in dieser Zeit insgesamt 179 Projekte der Erzdiözese und von Ordensgemeinschaften dort mit Zuschüssen von rund 300.000 Euro bedacht. Sie kamen sowohl Einrichtungen der kirchlichen Infrastruktur wie Kirchen, Pfarrhäusern oder Ordensseminaren als auch sozialen und dem Einkommenserwerb der Bevölkerung dienenden Projekten zugute. Die Besucher aus Rottenburg werden dem amtierenden Patriarchen von Ostindien, Erzbischof Filipe Neri António Sebastião do Rosario Ferrão, einen Besuch abstatten und ebenso dem 83-jährigen Pfarrer José Almeida, einem der langjährigsten Partner der diözesanen Zusammenarbeit mit Indien und Ende der 1960-er Jahre einer der ersten indischen Priester, die in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Ferienvertretung gemacht haben.

Mit allen Diözesen im Bundesstaat Karnataka pflegt die Diözese Rottenburg-Stuttgart langjährige Verbindungen. In den von Stäps und Bielefeld besuchten acht Diözesen wurden in den letzten fünf Jahren 39 kirchliche Projekte mit zusammen rund 410.000 Euro unterstützt. Ziel der Besuche sind neben der Vertiefung der persönlichen Kontakt die Evaluierung von bestehenden Projekten und Recherchen vor Ort zu neuen Projektanträgen. Im Bundesstaat Karnataka lassen sich nach Auskunft von Bielefeld, der mit der kirchlichen Situation Indiens bestens vertraut ist, gesamtgesellschaftliche und kirchliche Entwicklungen und Probleme Indiens wie in einem Brennglas gebündelt betrachten. Dazu gehören die Vielsprachigkeit in dieser Region oder auch das Miteinander der drei in Indien bestehenden und mit Rom unierten Riten, der Lateinischen, der Syro-Malabarischen und der Syro-Malankarischen Kirche. Besonders belastend sind hier auch die immer wieder aufflammenden religiösen Spannungen zwischen Hindus und Christen. Bis in die jüngster Vergangenheit hinein kam es zu heftigen Ausschreitungen von hinduistischen Extremisten gegenüber Christen, bei denen Kirchen zerstört, Häuser und Geschäfte von Christen niedergebrannt und Christen bedroht und vereinzelt auch getötet worden sind.

Schlusspunkt der Reise ist das „Pontifical Athenaeum: Dharmaram Vidya Kshetram“ in Bangalore, eine mit der römischen Universität Gregoriana verbundenen Päpstlichen Hochschule des indischen Priesterordens der „Karmeliten der Maria Immaculata“. In ihrer Ausbauphase in den 1980-er Jahren wurde diese Hochschule aus Rottenburg mit rund 300.000 Euro unterstützt. Dort treffen die Besucher aus Schwaben auch mit dem Karmeliterpater Professor Joseph Pathrapankal zusammen, einem international renommierten Bibelwissenschaftler und führenden Repräsentanten des interreligiösen Dialogs. Mit Joseph Pathrapankal war auch Bischof Gebhard Fürst bei seiner Indienreise im Januar 2010 zu ausführlichen Gesprächen zusammengekommen.

Heinz Detlef Stäps und Johannes Bielefeld werden am 27. Januar in Rottenburg zurück erwartet.

Dr. Thomas Broch