„Beteiligen - damit alle Arbeit finden“

Allein im vergangenen Jahr setzte die Aktion Martinusmantel mehr als 500.000 Euro ein, um mit 13 Projekten für etwa 1.000 Menschen Brücken in die Arbeitswelt zu bauen. Sie investiert die Spenden zu 100 Prozent in die Initiativen. Die Aktion fördert kirchliche Projekte für Erwerbslose, ergänzt öffentliche Hilfen und schließt Finanzierungslücken. Etwa ein Drittel der jährlich vergebenen Mittel stammt aus dem Haushalt der Diözese.
In 20 Jahren erreichte das Volumen aus Spenden und Haushaltsmitteln annähernd 11 Millionen Euro. Gefördert wurden insgesamt 109 Projekte und zusätzliche Einzelmaßnahmen. Durch sie erhielten über 6.000 Menschen eine Beschäftigung in kirchlichen Einrichtungen und Wirtschaftsbetrieben und damit wieder eine Aufgabe.

Die ersten zu Beginn 1987 unterstützten Projekte waren drei Arbeitsloseninitiativen für benachteiligte Jugendliche in Heidenheim, Heilbronn und Ravensburg, bei denen sechs zusätzliche Personalstellen finanziert wurden. Die Aktion fördert heute insbesondere Projekte für benachteiligte Gruppen, die von der Arbeitslosigkeit am stärksten betroffen sind: Jugendliche Arbeitslose und Schulabgänger mit unzureichendem Abschluss, gering oder nicht ausreichend Qualifizierte, Menschen jedes Alters, die langzeitarbeitslos sind, sowie generell Menschen, die aufgrund ihrer familiären oder persönlichen Situation besondere Schwierigkeiten haben, Anschluss an das Arbeitsleben zu finden.

Die Projektträger kommen aus den Reihen der verbandlichen Caritas, der Kirchengemeinden und, seltener, aus dem Umfeld größerer katholischer Stiftungen. Manche entstammen auch der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und der Betriebsseelsorge oder sind als eigenständige Vereine konstituiert. Diese Projekte bauen in der Regel auf mehrere Einnahmequellen: An erster Stelle kommen Zuschüsse der Öffentlichen Hand und der Jobcenter bzw. der Arbeitsagenturen. Die Aktion Martinusmantel ergänzt die Finanzierung und schließt Finanzierungslücken. Die Träger müssen nicht nur in der Betreuung und Qualifizierung der arbeitslosen Projektteilnehmer möglichst professionell arbeiten, sondern auch im Bereich der Mittelbeschaffung und -bewirtschaftung.

Spender aus allen kirchlichen Kreisen

Die Spendenmittel, die in einem transparenten Prozess durch einen siebenköpfigen Vergabeausschuss gemäß klar definierter und veröffentlichter Vergabe-Richtlinien vergeben werden, stammen einerseits von Privatpersonen, andererseits von kirchlichen Gruppen und Gemeinschaften.
Von 2.000 namentlich erfassten, zumeist langjährigen Spendern sind 52 Prozent mit Beträgen bis 50 Euro, 25 Prozent mit Beträgen von 51 -100 Euro und 17 Prozent mit Beträgen von 101 - 200 Euro. Die übrigen 6 Prozent stammen von Großspendern mit regelmäßigen Beträgen von 500 bis zu mehreren 10.000 Euro. Auch größere und kleinere kirchliche Gemeinschaften sind unter den Spendern zu finden, z.B. die Franziskanerinnen vom Kloster Sießen (bei Saulgau), die Vinzentinerinnen von Untermarchtal (bei Ulm) oder die Steyler Missionsschwestern von Laupheim (bei Biberach), die Benediktiner von Münsterschwarzach (bei Würzburg) und die Benediktinerinnen von Kellenried (bei Ravensburg). Die Aktion Marinusmantel zieht ihre Kreise bis hinein in Vereinigungen ausländischer Mitbürger und Mitchristen, z.B. der Kroatischen Mission in Göppingen oder der italienischen Ordensgemeinschaft der Missionarie Secolari Scalabriniane in Stuttgart.

"Martinus würde seinen Arbeitsvertrag halbieren."

Ein langjähriger Spender ist auch Pfarrer Paul Schobel (68) aus Stuttgart, einer der bekanntesten katholischen Priester im Land, und er begründet sein Engagement damit, dass "Martinus heute wohl eher seinen Arbeitsvertrag halbieren würde! Ich will ein Stück weit persönlich praktizieren, was politisch durchgesetzt werden muss, nämlich Arbeit und Einkommen miteinander zu teilen."
Etwa die Hälfte der Spenderinnen sind nach wie vor kirchlich Bedienstete; stellvertretend für diese soll Michaela Donauer (37), Gemeindereferentin in Sindelfingen, zu Wort kommen: "Ich spende einmal im Jahr für die Aktion Martinusmantel, aus zwei Gründen: Es ist für mich ein Projekt, in dem Kirche sich in das Thema Arbeitswelt einmischt. Es gibt wenige solcher Einmischungen, deshalb will ich sie unterstützen. Indem Kirche Arbeitsplätze für Benachteiligte schafft, setzt sie eine alternative Wegmarke zu unserer Leistungsgesellschaft. Menschen, die mit dem üblichen Leistungsdruck nicht zurechtkommen, erhalten trotzdem eine Chance. Ich verstehe eine solche Chance als ein winziges Pünktchen Himmelreich auf Erden. Das muss unterstützt werden."

Mehr als nur Geld

Nicht mehr das reine Teilen von Geld allein soll künftig Inhalt der Aktion sein. Dazu Dr. Joachim Drumm, Hauptabteilungsleiter "Kirche und Gesellschaft", der als Vorsitzender des Vergabe-Ausschusses der Aktion deren Durchführung verantwortet: "Wer unter Arbeitslosigkeit leidet, hat, wie wir wissen, nicht nur finanzielle Probleme. Nicht weniger bedrückend sind die Auswirkungen auf Beziehungen und die Erziehung der Kinder, die gesellschaftliche Ausgrenzung, die Folgen für die Gesundheit und nicht zuletzt - oft tief im Innern verborgen – Verzweiflung, Glaubens- und Sinnkrisen."

Die Aktion expandiert

Die Aktion sucht nach neuen Wegen, Arbeit Suchende gesellschaftlich beteiligen zu können und sie gesellschaftlich wichtige und sichtbare Aufgaben mit übernehmen zu lassen; zugleich sollen Menschen mit und ohne Arbeit sich verstärkt begegnen und miteinander sprechen können. Aus gutem Grund wird das Jubiläumsfest in Böblingen daher als kirchliches "Fest der Begegnung" von Arbeitenden und Arbeit Suchenden, von Spendern und Projektträgern begangen - als persönliche Begegnung im Austausch miteinander mit gemeinsamem Essen und Trinken. Mit den Worten des Geschäftsführers der Aktion, Hans-Peter Mayer ausgedrückt: "Spender/innen und Unterstützer/innen der Aktion sollen mehr Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch mit den Projekten erhalten, teilhaben können an deren Fortschritten, mit teilnehmendem Interesse die Aktion begleiten."

Über den kirchlichen Tellerrand hinaus

In einer weiteren Hinsicht soll die Aktion künftig Kreise ziehen: Verstärkt soll über den kirchlichen Tellerrand hinaus auf diese Aktion aufmerksam gemacht werden; schließlich hat sie sich in zwanzig Jahren in jeder Hinsicht bewährt. Dazu erneut Dr. Joachim Drumm: "Drei verschiedene Faktoren zeichnen diese Aktion aus: Es sind bereits jetzt recht viele Spender, die die Aktion zum Teil über viele Jahre treu unterstützen. Die Vergabe und Verwendung der Mittel erfolgt sehr transparent: Wir haben klare Richtlinien etabliert, die veröffentlicht wurden, einen professionell arbeitenden Vergabe-Ausschuss, und wir legen jährlich schriftlich und im Internet Rechenschaft ab. Und nicht zuletzt: Wir wählen förderwürdige Projekte sehr sorgfältig aus, und mein persönliches Augenmerk liegt dabei darauf, dass innovative Ideen bevorzugt werden. Für die Zukunft erstreben wir eine stetige Verbreiterung der Spenderbasis auch über den kirchlichen Binnenraum hinaus sowie eine stärkere öffentliche Sichtbarkeit unserer Projektträger und ihrer Erwerbsloser, die unmittelbar gefördert werden."

Dritter Arbeitsmarkt ist nötig

Daneben sucht die Kirche verstärkt, auf die Einrichtung eines "Dritten Arbeitsmarktes" durch den Staat hinzuwirken. Ist doch nicht damit zu rechnen, dass sich, in der gegenwärtig herrschenden Wirtschaftsform, für alle in der Gesellschaft ohne äußeres Zutun des Staates wirklich eine angemessene Form der Erwerbsarbeit finden und organisieren lässt. Hans-Peter Mayer: "Um wirklich nachhaltig Arbeitsplätze zu schaffen, müssen die Beteiligten der Aktion Martinusmantel über die befristeten Projekte hinaus auch innerkirchlich ihrem Anspruch mit Nachdruck Geltung verschaffen, damit der "Dritte Arbeitsmarkt für Benachteiligte" einen Ort erhält. Die Kirchen haben als Einzige die unverwechselbare Kompetenz, christliche Nächstenliebe strukturell im eigenen wirtschaftlichen Handeln zu verankern. Der Martinusmantel wärmt nicht nur, er hilft überleben."

Die Aktion hat also Zukunft! Dazu abschließend noch einmal Dr. Joachim Drumm: "Die Aktion ist trotz sinkender Arbeitslosenzahlen in der Statistik so wichtig wie eh und je; wir werden sie daher auch für die nächsten Jahre in jedem Fall weiter fortführen."

Geschäftsführer und Ansprechpartner der Aktion:
Hans-Peter Mayer, hpmayer(at)bo.drs.de, 0711/9791-203