„Beteiligung durch Arbeit und Einkommen statt ausufernde Gewinnmaximierung“

Immer mehr Menschen gerieten in prekäre Verhältnisse, beklagte der nach über 35 Jahren als Betriebsseelsorger in den Ruhestand tretende Schobel am Donnerstag vor Journalisten in Stuttgart. „Der ausufernden Gewinnmaximierung müssen Grenzen gesetzt werden“, betonte der Priester. Die sich weiter öffnende Schere zwischen Verdienenden und Arbeitslosen oder Inhabern von Billigarbeitsplätzen berge wachsendes Konfliktpotenzial.

Schobel betonte, dass zwar das marxistische Gesellschaftssystem in Europa nicht mehr existiere, die marxistische Gesellschaftsanalyse aber nichts von ihrer Brisanz verloren habe. In vielen Punkten decke sie sich mit den Leitsätzen der katholischen Soziallehre, etwa in der Forderung nach dem Vorrang der Arbeit vor dem Kapital. Pfarrer Schobel forderte eine Fortschreibung des aus dem Jahr 1997 stammenden Sozialwortes der beiden großen Kirchen „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“. In den vergangenen Jahren seien der Druck auf die Arbeit und die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse massiv gestiegen. „Die Kirchen müssen sich im ökumenischen Schulterschluss dem neoliberalen Wahn entgegenstellen.“

Der für die Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zuständige Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm unterstrich, die Aufgaben der Betriebsseelsorge hätten nichts an Dringlichkeit verloren. Zwar sei die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen 2007 noch einmal um über 625.000 weiter gesunken. Viele derer, die nicht mehr in der Statistik auftauchen, arbeiteten jedoch in befristeten Anstellungen, Mini-, Ein-Euro-Jobs oder als Leiharbeiter. Zwischen Dezember 2001 und Dezember 2006 sei die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse um über eine Million gesunken, während die geringfügig Beschäftigter um fast 3 Millionen stieg. Von den 20- bis 25-Jährigen habe jeder Zweite nur einen befristeten Arbeitsvertrag, von den 25 bis 30-Jährigen immer noch nur jeder Fünfte. „Wie sollen diese jungen Menschen eine Familie gründen?“, fragte Drumm.