Bewahrung der Schöpfung: gemeinsames Glaubenszeugnis von Christen und Muslimen

Dies war ein Ergebnis eines Gesprächs zwischen Bischof Gebhard Fürst und Vertretern muslimischer Organisationen in Baden-Württemberg. Zum sechsten Mal hatte Bischof Fürst am Donnerstag, 7. September, zum christlich-muslimischen Gespräch in kleiner Runde eingeladen. Das erste Gespräch fand 2005 statt, als Signal des Dialogs und der Verständigung nach dem von Dänemark ausgegangenen Karikaturenstreit.

Das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ war auf Anregung der muslimischen Gesprächspartner Thema des diesjährigen Austauschs. Ein globales Grundproblem des modernen Menschen sei das Umweltproblem. Die Existenz der gegenwärtigen Menschen sei dadurch ebenso bedroht wie das Recht künftiger Generationen, an einem gesunden Ort leben zu dürfen, wie der muslimische Theologe Fatih Şaran betonte. Der Koran betrachte ebenso wie Bibel die gesamte Welt als Schöpfung und als Offenbarung Gottes. Dadurch erhalte diese ihre besondere Würde. Der Mensch sei nach diesem Verständnis nicht Herr der Schöpfung, sondern „Statthalter“ in Verantwortung Gott gegenüber. „Dem Menschen ist die Schöpfung anvertraut“, so Şaran, „er darf sie nutzen, aber nicht zerstören.“

Bischof Fürst bestätigte die hohe Übereinstimmung von christlichem und islamischem Glauben im Verständnis der Welt als Schöpfung und der treuhänderischen Verantwortung des Menschen. Dem Bild des „Statthalters“ im Koran stellte er das biblische Bild des „Gärtners“ und des „Mitarbeiters Gottes“ zur Seite, dem die Schöpfung zur Pflege und Kultivierung anvertraut sei. Schöpfungsglaube beinhalte zunächst eine Haltung der Ehrfurcht. Es gehe aber auch darum, das theologische Verständnis der Schöpfung in nachhaltiges Handeln umzusetzen. Der Gottesglaube enthalte keine Rezepte, nach denen er unmittelbar in wissenschaftliches und politisches Handeln umgesetzt werden könne. Vielmehr gehe es darum, mit hoher wissenschaftlicher Kompetenz, auch in der Auseinandersetzung um wirtschaftliche und politische Interessen so zu handeln, dass auch die künftigen Generationen noch eine bewohnbare Erde vorfinden könnten.

Als Beispiel nannte der Bischof den Klimawandel und die Erderwärmung mit teilweise verheerenden Folgen für die Armutsregionen der Erde. In besonderer Weise stünden die westlichen Industrienationen und ebenso asiatische Tigerstaaten wie China und Indien in Verantwortung dafür, dass die Klimaziele erreicht werden. Ob religiöse Glaubensüberzeugungen Einfluss auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen nehmen können, blieb nach gemeinsamer Überzeugung der Gesprächsteilnehmer eine offene Frage. Allerdings zeige etwa die jüngste Geschichte der Atompolitik in Deutschland, wie der Wandel ethischer Überzeugungen in der Bevölkerung auch politische Veränderungen nach sich ziehen könne.

Das Umweltproblem müsse in einem interreligiösen und interkulturellen Dialog behandelt werden, so das Fazit. In einem solchen Dialog könne sich die Gemeinsamkeit in wichtigen Werten herausstellen. Wichtig sei es auch, dies in christlichen und muslimischen Gemeinden in konkreten Projekten exemplarisch umzusetzen. Über die Religionsgrenzen hinaus seien hier aber auch Allianzen mit vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen möglich.

Dr. Thomas Broch