Bezahlbarer Wohnraum für Familien

Auf der Delegiertenversammlung des Verbandes Katholisches Landvolk am Sonntag im oberschwäbischen Eberhardzell betonte die Ordinariatsrätin, eine familiengerechte und funktionierende Infrastruktur, bezahlbares Wohnen für kinderreiche Familien und ein sozial ausgerichtetes Wohnumfeld seien unabdingbare Notwendigkeiten, wenn Familien den Anforderungen gerecht werden sollten, die die moderne Gesellschaft an sie stelle.

Zwar sei das Thema Familie derzeit in Mode gekommen, sagte Stetter-Karp, doch zwischen Worten und Regierungserklärungen einerseits und „einem werktagstauglichen Vorrang von und für Familien“ lägen Welten, ebenso auch „gern Verdrängtes“. Zu dem Verdrängten gehöre die Kinderarmut. In Baden-Württemberg habe die Abgängigkeit von Kindern von staatlichen Mitteln zwischen 2005 und 2006 um mehr als zehn Prozent zu genommen. Die Gewährleistung eines sozio-kulturellen Existenzminimums sei für die Gründung und das Gelingen von Familien „existenziell notwendig“, betonte Stetter-Karp. Besonders Familien in belasteten und prekären Lebensverhältnissen benötigten eine bedarfsgerechte Unterstützung. Angesichts der beunruhigenden Zahlen zur Kinderarmut forderte Stetter-Karp eine politische Initiative der Landesregierung. Von bedarfsorientierten Regelsätzen könne nicht mehr gesprochen, kritisierte sie. Vor allem müsse Sonderbedarf berücksichtigt werden, wie er zum Beispiel bei der Einschulung, bei der Finanzierung von Lernmitteln oder der Verpflegung im Rahmen der Ganztagsbetreuung entstehe. Die gesunde Ernährung für ein zehnjährige Kind koste laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung1,34 Euro mehr als der Regelsatz vorsehe. „Wir können eine Familienpolitik nicht gutheißen, die zuschaut, wie ungesunde Lebensbedingungen geradezu provoziert werden“, betonte die Rottenburger Ordinariatsrätin.

Als weitere Forderung formulierte Stetter-Karp die Herstellung von Chancengleichheit besonders für Heranwachsende aus Migrantenfamilien. Dies gelte vor allem für Bildungschancen, die eng mit gelingender Integration zusammen gehörten. Bildung sei „eine der entscheidenden Ressourcen, um den Teufelskreis in die Armut zu durchbrechen“, sagte Frau Stetter-Karp.

Kontakt: Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp, Leiterin der Hauptabteilung VI – Caritas, E-Mail: IStetterKarp(at)bo.drs.de